33 Millionen Euro Strafe für Gartenbau-Unternehmer

06.07.2018

33 Millionen Euro Strafe für Gartenbau-Unternehmer

33 Millionen Euro Strafe für Gartenbau-Unternehmer

31,3 Millionen Euro wegen Steuerbetrugs plus eine zusätzliche 1,5 Millionen Euro wegen Prozessbehinderung verlangt die niederländische Staatsanwaltschaft vom Gartenbau-Unternehmer Theo van K. Der 70-Jährige hatte von 2006 bis 2010 an Briefkastenfirmen Gemüse und Obst verkauft, das noch gar nicht geerntet war und sich Profite in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Verzögerungstaktik? Theo van K. benennt neuen Verteidiger

Das Verfahren wurde Anfang Juni vor dem Gerichtshof in Den Bosch eröffnet. Noch kurz vor Beginn des Verfahrens hatte Theo van K. einen neuen Verteidiger benannt – eine „Verzögerungstaktik“, so die Staatsanwaltschaft. Der Kopf der betrügerischen Machenschaften ist inzwischen 70 Jahre alt und lebt in Polen.

Die Verteidigung hat bereits vier Zeugen benannt, die zu den Vorgängen befragt werden sollen, damit die Ausmaße für den Angeklagten überhaupt greifbar seien. In den Augen der Staatsanwaltschaft ist diese Vorgehensweise blanker Hohn. Sie stockte die vorhergesehene Strafe von 31 Millionen Euro nochmals um 1,5 Millionen Euro auf, da Theo van K. versuche, die Verhandlung zu behindern und eine Kooperation mit der Staatsanwaltschaft verweigere. Der Angeklagte reagierte mit Unverständnis auf diese Forderung und schob die Schuld für die Verzögerung dem Kläger zu.

Im Oktober sollen alle Zeugen gehört und der Prozess zu einem schnellen Abschluss gebracht werden. Für den Angeklagten scheidet nach eigener Ansicht eine Geldstrafe aus. „Ich habe kein Geld. Das weiß der Staatsanwalt auch. Deshalb wollte ich auch gar keinen neuen Verteidiger benennen“, sagte Theo van K. am Rande des Verhandlungsauftakts.

Wie aus dem Film: Scheinfirmen und schmutziges Geld

Das geschäftliche Vorgehen des Angeklagten klingt nach einer echten Räuber-Pistole: Theo Van K. soll in Polen, Luxemburg und Zypern Scheinfirmen errichtet haben. Über diese verkaufte er Obst und Gemüse beteiligter Gartenbau-Unternehmen, das noch gar nicht geerntet worden war, zu vorverhandelten Preisen. Den so erzielten Ertrag versteuerten die Unternehmen entsprechend.

Die tatsächliche Ernte versteigerte Theo van K. später zu wesentlich höheren Preisen. An die Unternehmer leitete er lediglich die vorvereinbarten Beiträge weiter. Die Profite soll sich der Kopf der „Bande“ zum größten Teil in die eigene Tasche gewirtschaftet und das schmutzige Geld auf Luxemburger Bankkonten versteckt haben. Damit nicht genug: Die illegalen Arbeitskräfte, die die Ernte bewerkstelligten, beschaffte sich Theo van K. über eine polnische Agentur für Saisonarbeiter.

Gartenbau-Unternehmen beschäftigen illegale Arbeitskräfte und begehen Steuerhinterziehung

19 beteiligte Gartenbau-Unternehmen aus den Regionen Brabant und Limburg waren bereits im Vorjahr verurteilt worden. Der Anklage nach hatten sie Billig-Arbeitskräfte aus Polen für die Ernte und Pflanzung von Spargel, Himbeeren, Erdbeeren und Pilzen ohne entsprechende Anmeldung beschäftigt.

Die betreffenden Unternehmen hatten 25 Millionen Euro Strafe akzeptieren müssen, während die Betriebsleiter mehrere hundert Sozialstunden in Kauf nahmen, um einer Gefängnisstrafe aus dem Weg zu gehen. Außerdem verpflichteten sie sich zur Rückzahlung der versäumten Steuern.

Von diesem Vergleich hatte die Staatsanwaltschaft Theo van K. – den Kopf des Rings – allerdings ausgenommen, um eine separate strafrechtliche Verfolgung einzuleiten

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