Auftakt der Herbstsaison unter erschwerten Bedingungen

09.11.2018

In öffentlichen Anlagen, in der freien Natur und in Privatgärten sind vertrocknete oder durch die extreme Dürre geschädigte Pflanzen zu sehen. Welche Auswirkungen das für die Baumschulen, für Sortimente und Preise nach sich zieht, darüber sprach Fachredakteurin Gabriele Friedrich mit Frans van Dijk-Steffen, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft mittelständischer Baumschulbetriebe (AmB).

Bewässern bringt mehr Aufwand und Kosten für die Baumschulen. Foto: Gabriele Friedrich

Baumschulen: Trockenheit verursacht Mehraufwand und Kosten

In den Baumschulen, die in der Regel bewässern können, verursachte die Trockenheit zumindest Mehraufwand und Kosten. Frans van Dijk-Steffen (Rellingen) sagt dazu:

„Die Kulturen haben je nach Gehölzart unterschiedlich empfindlich auf die Trockenheit reagiert. Gehölze im Container, die im normalen Sommer durch die Nacht beregnet wurden, mussten während der extremen Hitze und Trockenheit mehrmals täglich zusätzlich beregnet werden. Es waren also mindestens zwei- bis dreimal so viele Beregnungsgänge nötig.

Zusätzliche Bewässerung: Kosten explodieren

Die junge Aufschulung im Freiland musste von Anfang an regelmäßig versorgt werden, da es seit Mai in unserem Gebiet in Norddeutschland sowie in ganz Europa keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben hatte. Ab Juli mussten dann auch ältere Quartiere regelmäßig beregnet werden. Die Kosten für Diesel und Strom, ob fürs Freiland oder Containerflächen, schnellten in die Höhe. Pumpen mussten neu angeschafft werden oder instandgehalten werden. Teilweise wurden auch neue Brunnen gebohrt.

Die zusätzliche Arbeitszeit für Bewässerung ist in diesem trockenen Sommer außergewöhnlich hoch. Die Kosten des Stadtwassers stehen nicht im Verhältnis zum Ertrag. Mit eigenem Wasser sind die Produktionsbetriebe zwar in der Regel ausgestattet, aber den ganzen Sommer ununterbrochen zu beregnen, das ist so noch nie vorgekommen.

Freilandkulturen bleiben trotz Beregnung zurück

Trotz ständiger Beregnung erreichen die Freilandkulturen ihren normalen Zuwachs in diesem Jahr nicht. Die Baumschulen hatten einen wesentlich höheren Aufwand für die Produktion, werden trotzdem geringere Erträge haben.

Im Jungpflanzenbereich im Freiland gibt es beispielsweise auch Komplettausfälle durch die Hitze. Das Wässern nützt bei einigen Kulturen nicht immer, und man kann nicht alle großen Flächen gegen die Sonneneinstrahlung schattieren. Das Steckholz steht in vielen Sorten sehr schlecht. Bei den Wildlingen gibt es starke Einbußen. Die Unterlagen zum Okulieren litten und haben zum Zeitpunkt des Okulierens mancherorts nicht mehr gelöst. Aufgrund der Trockenheit wurden weniger Rosen und Obstgehölze veredelt.

Sommerverkauf 2018: Umsatz stellenweise gegen Null

Im Sträucherbereich werden in diesem Jahr kaum starke verpflanzte Sträucher in den Größen 100/150 anfallen. Leichte Sträucher und Heckenpflanzen erreichen ihre normale Qualität in diesem Jahr kaum. Solitäre haben keinen großen Zuwachs gemacht, und das Dickenwachstum der Bäume wird geringer ausfallen.

Der Sommerverkauf verlief durch die Trockenheit sehr verhalten. In einigen Gebieten ging der Umsatz gegen Null. Die Schäden in den öffentlichen Anlagen und der freien Landschaft sind zwar schon sichtbar, aber Vieles wird sich erst in den nächsten Monaten offenbaren. Sicher müssen dann Pflanzen ersetzt werden, und Gehölze werden in vielen Bereichen ausgetauscht werden müssen. Aber es gibt ebenso viele Bereiche, in denen abgewartet wird, ob Bäume und Sträucher wieder austreiben.

Hitzebeständige Arten: Über Klimagehölze nachdenken

Sicher wird man weiter über Klimawandel und damit verbunden auch Klimagehölze nachdenken. Hitzebeständige Arten werden sich herauskristallisieren. Unsere Branche beschäftigt sich schon lange mit Klimawandelbäumen, und durch diesen heißen Sommer werden diese Prozesse beschleunigt.

Jetzt könnte es wohl endlich soweit sein, dass durch Angebot und Nachfrage wieder die Preise bestimmt werden. Durch die immense Trockenheit und die damit verbundenen hohen Produktionskosten werden die Pflanzen unumgänglich teurer. Die Preisänderungen des Sommers 2018 der AmB Kalkulationshilfeliste setzen sich durch, das Preisniveau steigt an.

Geringere Produktionsmengen und Ausfälle durch die Trockenheit führen bereits in der Herbstsaison zu Engpässen in vielen Gehölzarten. Im Frühjahr wird wohl nicht mehr alles in den gewünschten Größen und Qualitäten lieferbar sein“, schätzt van Dijk-Steffen.

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