Bloggen, vloggen, influencen: Nützlich für den Gartenbau?

10.10.2018

Was das Blumenbüro Holland oder Kampagnen wie „1000 gute Gründe“ schon lange nutzen, ist für die meisten Gartenbaubetriebe heute noch völlig unbekanntes Terrain: Die Zusammenarbeit mit Bloggern und Co. Von Fachjournalistin Katrin Klawitter

 

Gartenbau-Unternehmen, die einen Blog aufbauen wollen, sollten vorab professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

Bloggerin berichtet auf Beet- und Balkonpflanzentag

Was dahinter steckt und wie das in der Praxis funktionieren kann, darüber berichtete die Bloggerin Melanie Öhlenbach auf dem diesjährigen Beet- und Balkonpflanzentag in Hannover-Ahlem.

Melanie Öhlenbach, genannt „Mel“, betreibt den Balkon-Garten-Blog „Kistengrün“ (siehe Screenshot rechts), in dem sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit ihrem Sechs-Quadratmeter-Balkon berichtet. „Ich bin eher durch Zufall zum Bloggen gekommen“, sagt sie selbst – und ist damit bestes Beispiel dafür, wie eine frühere Journalistin und Tageszeitungsredakteurin erfolgreich auf die lukrative Nutzung der Neuen Medien und auf die grüne Branche umgestiegen ist. Sie schreibt nach eigenen Aussagen „leidenschaftlich gerne“ über Natur und Garten – und tut das auch gerne im Auftrag von passenden Firmen, ihren „Kooperationspartnern“.

Chance für den Gartenbau: „Blogger sind sehr kommunikativ“

Und genau hier liegt auch eine Chance für Gartenbaubetriebe, die über Neue Medien an Bekanntheit gewinnen möchten. Denn in einem viel gelesenen grünen Blog gefunden zu werden, funktioniert nicht nur schnell und effektiv – es kostet zudem deutlich weniger als herkömmliche Werbung.

Wobei die Erwähnung in einem Blog natürlich nicht nach Wunsch, mit vorgegebenen Formulierungen oder Angeboten erfolgt – hier läuft es anders: „Legen Sie die Bedingungen fest, aber nicht den Inhalt“, rät Mel. Man sollte den Bloggern ihren Spielraum, sie „einfach machen“ lassen. Dann bekäme man ehrliches, offenes Feedback zu seinem Produkt, seiner Firmenidee. Der Blogger schreibe in seinem Blog über seine Kooperationspartner – der User bekommt diese Informationen, eingestreut in sein eigenes Interessensgebiet, mehr oder weniger nebenbei mitgeteilt.

Sie arbeite hier journalistisch, anders, als viele andere, eher „lifestyle-orientierte“ Blogger, sagt Mel: Gartenfragen, die von außen an sie herangetragen werden oder die sich ihr selbst zum Thema Balkongärtnern stellen, fragt sie bei Experten nach. Diese Qualität kommt an: Ihr Blog, der bereits seit Februar 2014 besteht, wurde als „Nachhaltigster Blog des Jahres“ beim Nachhaltigkeits-Blog-Award 2018 der GLS-Bank nominiert.

Unternehmen müssen sich überlegen, was mit einem Blog erreicht werden soll

Natürlich passiert ein Erwähnen von Firmen, Produkten oder Dienstleistung in einem solchen Blog nicht rein zufällig: Interessierte Kooperationspartner treten aktiv an die Bloggerin heran.

Die rät hier allerdings: Ein Unternehmen oder Gartenbaubetrieb sollte sich schon in Vorfeld überlegen, was er genau in den neuen Medien tun möchte, welcher Blog zu ihm passt, ob dessen Qualität, Schreibstil und Optik zu ihm passt, ob dessen Interaktion mit den Fans stimmt und seine Auffindbarkeit und Reichweite im Internet gut sind – Auskunft darüber gibt das sogenannte „Mediakit“.

Bloggen für den Gartenbau: gezieltes Vorgehen wichtig

Gezieltes Vorgehen ist also wichtig. „Es macht wenig Sinn, mir einen Rasenmäher für meinen Balkonblog zu empfehlen“, lacht sie. Ein Beispiel für unpassende Angebote, die schon passiert sind. Wer beispielsweise eher regional bekannter werden möchte, sollte sich auch eher an regionale Blogger wenden. Die findet man laut Mel am besten über Suchmaschinen wie Google: Einfach Blog und Ort eingeben und intensiv in den Blog hineinlesen, ob die Qualität stimmt. Von nichts kommt natürlich auch nichts: Die Aktivitäten von Bloggern kosten Geld, Mel nimmt dafür Honorar. „Ich mache für einen Sack Erde keine Werbung mehr“, sagt sie selbstbewusst. Die Kosten sind dabei sehr variabel – sie beispielsweise unterscheide dabei, ob sich Unternehmen oder Verbände an sie wenden.

„Laden Sie uns Blogger zu sich ein“

Um Know-how zu sammeln und Kontakte zu knüpfen, ist Mel viel fachlich unterwegs: Auf Messen, in bekannten Parks, bei Herstellern, liest Bücher, bekommt Geräte vorgestellt. Viele Unternehmen kommen dafür aktiv auf sie zu – und das rät sie auch allen interessierten Gartenbaubetrieben: „Laden Sie uns Blogger zu sich ein, zeigen Sie uns, was sie machen.“ So kommt man auch gemeinsam auf tolle Ideen und Aktionen. So arbeitet Mel beispielsweise für Aktionen mit Volmary zusammen, hat schon einmal eine Kohlrabi-Challenge gestartet oder Saatgut-Tauschaktionen angeregt. Eines der meist gelesenen Blog-Themen sei das Gießen, auch eine ganze Serie über den Anbau von Kartoffeln auf dem Balkon sei super gut angekommen, nennt sie Beispiele für attraktive Themen.

Blieb am Ende der anschießenden Diskussion in Ahlem die Frage nach der Objektivität, wenn doch die Blogger für ihre Dienste bezahlt werden. Vor allem die Sorge, negative Posts beispielsweise nach einem Produkttest zu bekommen, klang durch. „Mit dieser Gefahr müssen Sie als Unternehmen leben“, warnt die Bloggerin. „Wir funktionieren ein bisschen anders als andere Medien – von uns bekommen Sie ehrliches Feedback.“ Sie beruhigte aber: „Wenn Produkte mir wirklich nicht gefallen, sie nicht passen oder funktionieren – dann sage ich Bescheid.“ Zudem lassen sie Texte von den Unternehmen gegenchecken.

Newsletter