EU verbietet drei Neonicotinoide – Anwendung im Gewächshaus ausgenommen

06.06.2018

BU: Die EFSA hat nach einer umfassenden Datenerhebung festgestellt, dass die Mehrzahl der Anwendungen von Neonicotinoid-haltigen Pestiziden ein Risiko für Wild- und Honigbienen darstellt.

„Ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa“, so kommentierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die am 27. April erfolgte Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten zu einem Vorschlag der EU-Kommission, die Anwendung von Neonicotinoiden massiv einzuschränken. Von Fachredakteur Lorenz Wieland.

Neonicotinoide: Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin im Fokus

Konkret geht es um die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin, für die Wissenschaftler der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit EFSA zuvor in einer Neubewertung ein Risiko für Wildbienen, Hummeln und Solitärbienen sowie Honigbienen bestätigten.

Der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel, in dem alle EU-Mitgliedstaaten vertreten sind, hat nun mit der Mehrheit der Mitgliedstaaten einem Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zugestimmt, diese drei Wirkstoffe nicht weiter für Kulturen im Freiland zu genehmigen. Dazu erklärte Klöckner: „Wir haben in Brüssel dafür gestimmt, Neonicotinoide künftig nur noch in Gewächshäusern einzusetzen – also dort, wo sie den Bienen nicht schaden (…). Bienen sind systemrelevant – auch für den Erhalt unserer Landwirtschaft. Das haben wir heute mit der Abstimmung in Brüssel noch mal deutlich gemacht.“

Künftig nur noch in festen Gewächshäusern verwenden

Die Konsequenzen der EU-Entscheidung erläuterte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin dürfen demnach „künftig nur noch in festen Gewächshäusern und zur Behandlung von Saatgut, das im Gewächshaus angebaut wird, angewendet werden. Die entsprechenden Pflanzen dürfen später nicht im Freien ausgepflanzt werden, sondern müssen bis zur Ernte beziehungsweise Verwertung im Gewächshaus bleiben“.

Entsprechende Durchführungsverordnungen der Kommission für die drei Wirkstoffe sollen laut BVL 20 Tage nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft treten. Danach müssten die Mitgliedstaaten innerhalb von drei Monaten die Zulassungen der Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen beenden oder entsprechend anpassen.

14 Pflanzenschutzmittel von Entscheidung betroffen

In Deutschland sind laut BVL aktuell 14 Pflanzenschutzmittel mit den betreffenden Wirkstoffen zugelassen. Neun davon bei Zuckerrüben- und Futterrübensaatgut. Ansonsten sind Spritz- oder Gießanwendungen in verschiedenen Kulturen, unter anderem auch Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen, zugelassen. Darunter sind sowohl Gewächshaus- als auch Freilandanwendungen. Da die Mittel als bienengefährlich eingestuft sind, dürfen sie laut BVL schon jetzt nicht auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden.

Neonicotinoide: EFSA bestätigt Risiko für Bienen

Offiziell bestätigt hatte die EFSA nach einer umfassenden Datenerhebung, dass die Mehrzahl der Anwendungen von Neonicotinoid-haltigen Pestiziden ein Risiko für Wild- und Honigbienen darstellt. Die Behörde hat damit die Bewertungen für drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam aktualisiert. Dieser Einschätzung will sich der Deutsche Bauernverband (DBV) nach eigenen Angaben nun unterordnen: Er habe immer erklärt, dass der Maßstab für eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eine fundierte wissenschaftliche Bewertung sei. Daher werde er der Neubewertung der EFSA folgen, sieht es aber als Herausforderung an, zu diesen Wirkstoffen Alternativen zu entwickeln.

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