Exaktgießwagen zur Einzeltopf-Bewässerung entwickelt

18.10.2018

Einen Exaktgießwagen zur Einzeltopf-Bewässerung hat der Gartenbauunternehmer Peter Dercks in Zusammenarbeit mit dem Bewässerungsspezialisten Rathmakers Gartenbautechnik entwickelt. Damit lassen sich Wasser- und Düngergaben exakt über den einzelnen Töpfen per Tülle applizieren. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen begleitet das Projekt. Von Fachredakteur Dr. Heinrich Dressler.

Der Exaktgießwagen-Prototyp für kleinere Töpfe ging im Frühjahr 2018 in Betrieb. Foto: Dr. Heinrich Dressler

Stickstoffeinträge durch Exaktgießwagen reduziert

Mit dem von Peter Dercks und Rathmakers Gartenbautechnik zusammen mit Klaus Karl entwickelten Exaktgießwagen lassen sich die Wasser- und Düngergaben exakt über den einzelnen Töpfen per Tülle applizieren. Hierdurch werden große Mengen an Gießwasser eingespart und zugleich die Stickstoffeinträge in das Grundwasser signifikant reduziert, erklärte Karl. Seine Aufgabe sei es, das Projekt zu begleiten, die Technik zu testen und die Ergebnisse zu dokumentieren. Wichtige Kriterien bei der Entwicklung des Exaktgießwagens seien die Zuverlässigkeit im Praxisbetrieb sowie ökonomische Gesichtspunkte.

Der Prototyp 1 des Exaktgießwagens wurde 2015 bei Dercks aufgebaut. Er dient der Bewässerung von großen Töpfen. Die Arbeitsbreite beträgt 30 Meter bei einer Fahrstrecke von 80 Metern. Bei einem Besatz von zehn Töpfen pro Nettoquadratmeter konnten circa 70 Prozent Wasser gegenüber einem herkömmlichen Gießwagen mit Reihenbewässerung eingespart werden. Das Modell ist mittlerweile serienreif.

Exakte Bewässerung – Wassereinsparung von 50 Prozent

Der Prototyp 2 des Exaktgießwagens wurde im Frühjahr 2018 aufgebaut. Hier beträgt die Arbeitsbreite 45 Meter bei einer Fahrstrecke von 204 Metern. Als maximale Breite nannte Karl 56 Meter. Der Gießwagen dient bei Dercks der Bewässerung von 10,5er-Töpfen, möglich sind 10er- bis 12er-Töpfe. Bei 32 Töpfen pro Nettoquadratmeter wird eine Wassereinsparung von rund 50 Prozent gegenüber einem Standardgießwagen mit Tüllen erwartet.

Ein weiterer Vorteil des neuen Gießwagens zeige sich bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, sagte Karl. Aufgrund der robusten Konstruktion mit zwei Fahrschemeln lassen sich hohe Fahrgeschwindigkeiten realisieren, die mit entsprechenden Düsen einen effizienten Pflanzenschutz mit geringen Abtropfverlusten ermöglichen.

Saugkerzen messen Bodenfeuchte

Die Daten werden im Betrieb Dercks auf einer Freilandfläche mit Gewebeabdeckung erfasst. Neben dem Prototyp 1 stehen Tropfer und ein klassischer Gießwagen im Vergleich. Die Messung der Bodenfeuchte erfolgt über Saugkerzen in 30 Zentimeter Tiefe. Die Saugkerzen werden auch auf Nitrat- und Ammonium-Stickstoff ausgewertet, erklärte Karl. Zusätzlich erfassen Sensoren in einzelnen Töpfen die Feuchtigkeit, die Temperatur und den Salzgehalt. Weiterhin befindet sich auf der Prüffläche ein Schacht, in dem die Daten von mehreren Saugplatten-Sensoren gesammelt werden, die in 80 bis 100 Zentimeter Tiefe im Boden platziert sind.

Die gewonnenen Daten sollen die Unterschiede zwischen den Bewässerungssystemen aufzeigen, sagte Karl. Wichtig sei eine möglichst große Datenbasis, derzeit lägen noch nicht genügend Daten vor. Tendenziell lasse sich aus den Saugkerzen- und Saugplatten-Werten aber schon ableiten, dass der Nitratgehalt im Boden unter dem neuen Exaktgießwagen geringer sei als unter einem herkömmlichen Gießwagen.

Gießwagen für größere Töpfe spart rund zwei Drittel des Wasserverbrauchs

Die Einsparung von Ressourcen sei ein entscheidender Vorteil des neuen Gießwagens, meinte Karl. Weniger Wasser zu verbrauchen sei besser als immer größere Wasserspeicher für Trockenphasen wie in diesem Sommer zu bauen. Bei dem Gießwagen für größere Töpfe sei eine Einsparung von Wasser von 65 bis 70 Prozent realistisch.

Dercks nannte weitere Vorteile: Einsparung von Dünger(-kosten), weniger Düngereintrag in den Boden, geringerer Stromverbrauch für Wasserpumpen, trockene Kulturfläche, höhere Fahrgeschwindigkeit gegenüber herkömmlichen Gießwagen (zweieinhalbfach bei größeren Töpfen, zweifach bei kleineren Töpfen). Auf der anderen Seite liegen die Investitionskosten deutlich höher – einen Kaufpreis konnten Karl und Dercks in diesem Stadium aber noch nicht nennen.

Die großen Töpfe stehen auf Markierungen aus Kalkfarbe, die vorher mit dem Gießwagen auf das Gewebe auf der Stellfläche aufgebracht wurden. Der Bewässerungsvorgang wird durch einen Anhaltepunkt (Metallring) auf der Betonleiste ausgelöst. Bei dem Gießwagen für kleinere Töpfe ist das exakte Aufstellen der Töpfe von Hand schwierig und aufwendig, Dercks will deshalb in Kürze einen Exaktabsetzer des belgischen Herstellers Degramec testen. Eine Teilabschaltung des Gießwagens ist möglich, zum Beispiel wenn ein Teil der Fläche bereits geräumt ist. Dercks wies darauf hin, dass die Ausdehnung der eisernen Führungsschienen bei Hitze Probleme bereiten kann.

Peter Dercks führt den von seinen Eltern 1956 gegründeten Gartenbaubetrieb seit 1989. Mit Tobias Dercks ist die nächste Generation im Betrieb tätig. Neben Gewächshäusern steht eine Freilandfläche von 15 Hektar zur Verfügung. Eriken befinden sich seit 1977 auf dem Anbauplan, Callunen (Gardengirls) seit 1990, Ardisien seit 2003. Im Jahr 2005 begann Dercks nach eigenen Angaben als Erster mit der Produktion von Heide-Mischungen. Der Betrieb bietet heute zahlreiche Kombinationen in unterschiedlichen Kunststoff- und Tontöpfen, Schalen, Balkonkästen und Körben an, auch mit Begleitpflanzen. Zielgruppe ist der Fachhandel.

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