Gartenbau: Azubis suchen und finden

24.10.2018

Über 60.000 Lehrstellen in Deutschland können 2018 nicht besetzt werden, es fehlt an jungen Leuten, besonders für Ausbildungsplätze im Einzelhandel. Fachredakteurin Heike Hoppe sprach mit ausbildenden Unternehmen aus dem Gartenbau über ihre Strategien und Erfahrungen.

Manchmal suchen Gartenbau-Betriebe lange, bis sie den passenden Auszubildenden gefunden haben

Andreas Beier, Gärtnerei und Gartencenter Beier, Mannheim-Sandhofen:

„Eigentlich haben wir immer sechs Auszubildende. Gerade ist aber eine von ihnen weggezogen – der Liebe wegen! Jetzt sind es nur noch fünf. (Lacht) So was passiert natürlich immer wieder, es ist nicht mehr wie früher: Dort, wo man ausgebildet wird, bleibt man sein ganzes Leben. Das hat sich sehr geändert. Ich habe zwei Töchter, die wollen nach der Schule nach Australien Praktika machen, verschiedene Länder und Orte kennenlernen und ausprobieren. So ist das heute.

Uns gibt es jetzt 80 Jahre, wir feiern in diesem Jahr unser Jubiläum. Und seit 1949 bilden wir schon aus! Das weiß ich deshalb so genau, weil vor einigen Tagen eine Anfrage vom Regierungspräsidium kam und wir gezielt nachgeforscht haben.

Das Thema Ausbildung haben wir immer schon sehr ernst genommen. Bei uns sind von insgesamt acht Meistern und zwei Technikern eine Meisterin und ein Meister für die Auszubildenden verantwortlich. Unser Gartencenter hat ungefähr 50 Mitarbeiter, die Gärtnerei auch noch einmal je nach Saison sechs bis acht Mitarbeiter.“

Genügend Bewerber auf Ausbildungsstellen

Auf Lehrstellen aufmerksam machen wir auf unserer Homepage, über Facebook und natürlich über Mundpropaganda. Durch unseren Markt mit täglich bis zu 2.000 Besuchern sind wir sehr sichtbar und bekommen sehr viele Kontakte, auch zu Jugendlichen beziehungsweise deren Eltern. Insofern müssen wir keine großen Anstrengungen oder spektakulären Aktionen machen. Wir kommen allein über unseren guten Namen an genügend Bewerber. Wir können fast jedes Jahr aus 20 bis 30 Bewerbungen unsere Azubis aussuchen.

Wir haben ja sechs Tage in der Woche geöffnet und sind von allen Seiten einsehbar und greifbar, auf diesem persönlichen Weg entwickeln sich in der Regel alle Ausbildungsverhältnisse der letzten Jahre. Wir bieten auch Praktika an und geben den jungen Leuten eine Chance, sich auszuprobieren. Wir sind einfach sehr präsent.

Philipp Wortmeyer, Baumschule Hans Wortmeyer, Apen:

Wir suchen tatsächlich schon seit 2012 eine(n) Auszubildende(n), in dem Jahr hatte ich die Ausbildereignungsprüfung abgelegt. Bis jetzt hat es gedauert, bis wir die passende Kandidatin ge-funden haben! Seither sind ungefähr 30 Bewerbungen bei uns eingegangen, aber nie hatte es perfekt gepasst. Meistens hatten sich Leute beworben, die schon viele Ausbildungen abgebrochen hatten und von der Agentur für Arbeit vorgeschlagen worden waren. Gesucht hatte ich über die Agentur, auf verschiedenen Jobportalen, unter anderem der Azubi-Börse der Ortschaft Apen, auf der eigenen Internetseite und über Facebook. Anzeigen haben wir nicht geschaltet.

Unsere Auszubildende Laura Waldeck ist über die Agentur für Arbeit auf uns aufmerksam geworden. Sie hat sich daraufhin erst einmal unsere Internetseite angeschaut, das was sie dort fand, hatte ihr gefallen, und so hat sie sich beworben.

Wenn der Azubi zu einhundert Prozent zum Betrieb passt

Ihre Situation: Sie hatte das Abitur gemacht und war in ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ). Für sie stand schon lange fest, dass sie Staudengärtnerin werden will. Die Liebe zum Garten stammt aus dem großen Garten ihres Vaters, im FÖJ war sie außerdem für einen Garten verantwortlich, der ihren Berufswunsch nochmals verstärkt hat. Laura hat einfach zu einhundert Prozent zu uns gepasst: von ihrem Lebenslauf, von ihrem Auftreten, von ihrem Berufswunsch, von ihrer ganzen Persönlichkeit.

Ich hoffe, dass wir mit Laura einen guten Start in der Ausbildung haben und zukünftig noch viele junge, tatkräftige Menschen für den Gärtnerberuf begeistern können.

DIHK: 2018 fehlen 61.000 Azubis

Derzeit sind allein bei den Arbeitsagenturen noch 200.700 freie Ausbildungsplätze gemeldet – deutlich mehr als die Zahl der 139.700 Jugendlichen, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Das meldet die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Ausbildungsstart 2018. DIHK-Präsident Eric Schweitzer: „Ausbildungsplätze sind noch in nahezu allen Berufen und Regionen frei, Betriebe suchen händeringend Nachwuchs.“

Schon im vergangenen Jahr konnte mehr als jedes dritte Ausbildungsunternehmen nicht alle Plätze besetzen. Viele Betriebe bieten daher verstärkt jungen Leuten mit schwächeren Schulleistungen eine Chance. Andere werben mit attraktiven Zusatzangeboten um Abiturienten. So werden Duale Studiengänge, Ausbildungen mit integriertem Auslandsaufenthalt oder spannende Zusatzqualifikationen angeboten. Zudem werben Unternehmen verstärkt um Studienabbrecher. Insgesamt gilt: Wer gute IT-Kenntnisse und Interesse an digitalen Anwendungen mitbringt, kann in vielen Branchen besonders punkten.

Newsletter