Heimisches Superfood vom Gärtner

10.07.2018

Heimisches Superfood vom Gärtner

Superfood – nicht nur ein Thema für den Wochenmarkt.

Vom Megatrend Gemüse können und sollen auch Zierpflanzengärtnereien profitieren: etwa durch die Aufnahme von Gemüsepflanzen in ihr Sortiment, vielleicht sogar durch den Verkauf von selbstgezogenem Gemüse. Dafür macht sich Raimund Schnecking stark, Marketing­experte beim traditionsreichen Gemüse- und Blumenzucht­unternehmen Volmary in
Münster. Von Fachredakteurin Heike Hoppe

Steigende Nachfrage an regionaler Vielfalt: Chance für Gärtnereien

Alle Trend-Wegweiser zeigen in Richtung Gemüse, betont Schnecking immer wieder. Die Menschen – auch immer mehr junge Leute – lieben alte Gemüsesorten, Outdoorküchen, Kräutergärten und Gemüse zum Selbstziehen. Schon jetzt würden 35 Prozent des Gartenpflanzenumsatzes mit Gemüse und Kräutern gemacht, Tendenz steigend. Nicht nur Hobbygärtner lieben frisches Gemüse und wollen regionale Produkte beim Erzeuger ihres Vertrauens kaufen.

Doch dem steht eine stark abnehmende Zahl der gemüseproduzierenden Betrieben gegenüber. Hierfür nennt Schecking verschiedene Gründe: fehlende Hofnachfolge, alternative und „mühelosere“ Einkommensquellen, generell der Strukturwandel im Lebensmittelhandel. Die Gemüsebetriebe seien gezwungen, immer größere Mengen zu produzieren, dadurch werden sie aber immer marktferner und „unregionaler.“ Dieser Strukturwandel sei, so Schecking, eine riesige Chance für Endverkaufsgärtnereien, die von der steigenden Nachfrage nach regionaler Vielfalt und ungewöhnlichen Sorten profitieren können.

Vom Megatrend Gemüse profitieren

Zwei Möglichkeiten hätten die Gärtnereien, vom Megatrend Gemüse zu profitieren, erklärte Schnecking. Zum einen die Produktion von Gemüse in Töpfen für den Hobbygärtner, im Grunde eine andere Form von Zierpflanzen. Zum anderen gäbe es immer mehr Endverkaufsgärtnereien, die wieder selbst Gemüse für den Verkauf produzieren. Die Voraussetzungen hierfür seien in letzter Zeit immer besser geworden, zum Beispiel durch eine deutliche Professionalisierung des Saatgutmarktes.

Dennoch, so räumt Schnecking ein, sei die Umstellung auf Gemüseproduktion nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Gemüse ist anspruchsvoll, man kann nicht sagen, hoppla, jetzt stellen wir mal etwas Gemüse zwischen die Geranien.“ Gerade aus dem sehr persönlichen Verkauf und der engen Kundenbindung erwachsen allerhöchste Ansprüche an gesunde und essbare Kulturen. Nützlingseinsatz, biologischer Pflanzenschutz und eventuell Bioproduktion müssen wichtige Themen sein.

Soweit die Theorie, aber welche Gemüsesorten passen denn nun gut in das Zierpflanzen- und Einzelhandelsgärtnerei-Sortiment? Hier präsentiert Schnecking einen bunten Blumen- oder vielmehr Gemüsestrauß mit nützlichen Anregungen für echte gärtnerische Alleinstellungsmerkmale.

Das Fruchtgemüse ist der Klassiker unter den Superfoods

Im ersten Schritt, sagt Schnecking, gehe es bei den meisten Zierpflanzengärtnereien, die über Gemüseproduktion nachdenken, um veredeltes Fruchtgemüse, um Tomaten, Gurken und Paprika. „Wenn ich eine Zierpflanzengärtnerei hätte, würde ich Tomaten produzieren.“ Der Gemüsespezialist stellt sowohl neue Sorten als auch neue Ideen zur Warenpräsentation vor, mit denen sich die Einzelhandelsgärtnerei ohne viel Aufwand vom LEH unterscheidbar machen könnte, beispielsweise mit bunten, nach Farben sortierten Tomatensorten, die vom Endkunden wie Bonbons selbst gemischt werden können. Als besonders süße, veredelte Nektar-Cherrytomate empfahl Schnecking beispielsweise die ‘Solena Sweet’. Verkaufsargument der Gärtnerei: „So süße Tomaten bekommt Ihr sonst nirgendwo!“

Geheimtipps Yakon, Rhabarber und Wasabi

Ein weiterer „Geheimtipp“, mit dem sich der Einzelhandelsgärtner unvergleichbar machen könne, so Schnecking, heißt Yacon (Smallanthus sonchifolia). Die Knolle gehört wie die Sonnenblume zur Familie der Korbblütler. Sie ist mit Topinambur verwandt und bildet ebenfalls Wurzelknollen aus. Schnecking schwärmt: „Eine fantastische Knolle, sie ist sehr gesund und schmeckt ganz frisch, etwas zwischen Karotte und Nashi-Birne.“ Und werde natürlich im Sortiment der Gärtnerei angenehm auffallen.

Weitere Tipps für Gärtner, die ihren Kunden das ganz besondere Gemüse anbieten möchten: immertragender Rhabarber mit niedrigem Oxalsäuregehalt, Wasabi-Blätter für Salat, oder aber der Strauchbasilikum ‘Magic Blue’ mit fernöstlichem Duft und Geschmack.

Überhaupt seien Kräuter eine weitere Quelle für frische und neue Ideen. Schnecking erzählt: „Mein Lieblingsprojekt der letzten Jahre war das „Mix a Herb“. Ähnlich wie es auch mit Zierpflanzen gemacht wird, bieten wir verschiedene Themen-Kräuter in einem Topf an: Alles, was dort wächst, kann zusammen auf die Pizza oder den Grill.“ Denn auch darum gehe es bei der Vermarktung von Gemüse: „Machen wir die Dinge nicht zu kompliziert, die Verbraucher wollen einfache Lösungen.“

Zierpflanzenbetriebe und Endverkaufsgärtnereien im Visier

Marketingfachmann und Gemüsespezialist Raimund Schnecking (Volmary) wendet sich vor allem an Zierpflanzenbetriebe und Endverkaufsgärtnereien. Sein Vortrag im Rahmen des von der TASPO und der Messe Essen veranstalteten Obst-, Gemüse- und Kräutertages auf der IPM 2018 stellte die Frage: „Heimisches Superfood – wer produziert was, und wie kommt die Ware ins Geschäft?“ Das „Wer“, so Schnecking, können durchaus auch kleinere Betriebe sein, das „Geschäft“ durchaus auch Endverkaufsgärtnereien, die normalerweise ein eher auf Zierpflanzen ausgerichtetes Sortiment anbieten.

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