Hortensienzuechter aus Leidenschaft

27.07.2018

„Wir wollen wissen, welche Farben und Formen gut ankommen“

Seit rund 18 Jahren hat sich das Unternehmen Kötterheinrich in Lengerich auf die Züchtung von Hortensien spezialisiert

Blühende Geschäfte: Kötterheinrich Hortensienkulturen lädt jedes Jahr zur großen
Sortenschau in seine Gewächshäuser in Lengerich ein. Das Unternehmen hat sich vom reinen Topfpflanzenbetrieb in einen echten Hortensienzüchter verwandelt. Von Katharina Adams

Hortensienzüchter: Tag der offenen Tür und große Sortenschau

 

„Wir laden unsere Kunden auch zu den Tagen der offenen Tür ein, um ihre Reaktionen auf die Neuheiten zu erhalten“, erläutert Inhaber Thomas Becker. „Wir wollen wissen, welche Farben und Formen gut ankommen, um von diesen dann größere Mengen zu produzieren.“ Die große Sortenschau findet stets im Februrar statt.

 

Die Kunden könnten bereits zur Sortenschau feste Mengen bestellen und damit sichergehen, dass ihre Wunschsorten dann im nächsten Jahr nicht ausverkauft seien, so Becker. Denn zu 100 Prozent könne man die künftige Nachfrage natürlich nicht abschätzen, auch wenn eine gewisse Menge aller Sorten immer auf Vorrat produziert werde. Welche Sorten sich dann wirklich beim Verbraucher zum Renner entwickelten, wisse man erst im Laufe der Saison, mit Tendenzen, die auch Hinweise für das nächste Jahr gäben. „Im April ist die Vermehrung aber eigentlich gelaufen, dann können wir nur noch aus den Vorräten liefern“, sagt Becker.

 

Neben Macrophyllas züchtet Kötterheinrich nun auch Paniculata-Hybriden. Die Sorten zeichnen sich laut Becker dadurch aus, dass bereis an jungen Pflanzen an jedem Trieb eine Blüte sitzt.

Macrophylla-Züchtung in der dritten Generation

 

Das Unternehmen Kötterheinrich besteht inzwischen in der dritten Generation. Der Großvater des jetzigen Inhabers Thomas Becker begann an dem Standort in Lengerich mit einer kleinen Gärtnerei. In den Generationen davor wurde auf dem Grund klassische Landwirtschaft betrieben. Seit genau 35 Jahren liegt der Betrieb in den Händen von Enkel Thomas Becker, dessen Vater einst die einzige Tochter des Firmengründers heiratete.

Bei Übernahme im Jahr 1983 handelte es sich noch um einen gemischten Topfpflanzenbetrieb, der seine Produkte nur in der Region verkaufte. Mit den Jahren nahmen die Hortensien-Kulturen einen immer wichtigeren Platz ein, bis sich das Unternehmen im Jahr 2000 komplett auf Hortensien spezialisierte.

Durch Zukauf und Pacht konnte die Fläche von 6.000 Quadratmetern unter Glas auf die heutige Größe erweitert werden, die vier Hektar Gewächshäuser, ein Hektar Kühlhäuser und 20 Hektar Freilandstellfläche umfasst.
Der Schritt zum Spezialbetrieb für Hortensien

Der Schritt zum Spezialbetrieb für Hortensien resultiert auch aus der Tatsache, dass durch die etwas abseitige Lage in Lengerich eine schnelle Lieferung innerhalb weniger Stunden in die Ballungszentren und Großmärkte nicht möglich ist. Das spiele bei Hortensien keine Rolle, so Becker. So werden heute vier Millionen getopfte Fertigpflanzen in verschiedenen Topfgrößen sowie vier Millionen bewurzelte Stecklinge zur externen Weiterkultur produziert. Der Betrieb ist GlobalGAP-zertifiziert, was wegen der umfangreichen Dokumentationspflichten recht personalintensiv sei. Kleine Betriebe hätten daher oft Schwierigkeiten, sich entsprechend zu organisieren. Außerdem gehört Kötterheinrich mit 13 weiteren Betrieben in NRW und wissenschaftlicher Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltiger Topfpflanzenanbau an.

 

Frühe Sortenschau passt gut in Betriebsablauf

Der frühe Zeitpunkt der Sortenschau passt auch gut in den Betriebsablauf, noch ist viel freier Platz im Gewächshaus, und Becker und seine Mitarbeiter haben genügend Zeit, sich persönlich um die etwa 100 Kunden zu kümmern und mit ihnen einen Rundgang durch die Kulturen zu unternehmen. Wärme und Licht sorgen dafür, dass auch genügend große und blühende Exemplare jeder Sorte zu sehen sind, um ein fundiertes Urteil über sie zu ermöglichen.

 

Daneben interessiert man sich bei Kötterheinrich aber auch für die Meinungen zu Neuzüchtungen, die sich noch in der Testphase befinden. So gab es beim Rundgang ein paar interessante Blütenfarben zu sehen, die das Farbspektrum durchaus erweitern könnten. „Der Verkauf der Hortensien beginnt aber so richtig erst im März. Dann hat der Verbraucher auch dauerhaft etwas von der Pflanze. Früher vorgetriebene Exemplare, etwa zum Valentinstag, sind eher als Blumenstrauß zu werten“, stellt Becker klar.

Katharina Adams ist Fachjournalistin für die Grüne Branche und unter anderem für die TASPO im Einsatz, die die größte Wochenzeitung für den Profi-Gartenbau darstellt.

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