Interview: Online das Pflanzen-Sortiment gepusht

Ein halbes Jahr nach dem Start ziehen die Initiatoren des Portals „Profi-Pflanzen.de“ eine sehr positive Bilanz: Die „verlängerte Ladentheke“ für das Pflanzen-Sortiment wird von Mitarbeitern und Kunden sehr gerne genutzt. Fachredakteurin Katrin Klawitter sprach mit den Entwicklern Martin Müller und Horst Gössmann. 

Verlängerte Ladentheke
Das Obst- und Beerenobstsortiment des neuen Online-Portals stammt von der Baumschule Adolf Müller, das übrige Pflanzen-Sortiment von den Baumschulen Behrens, Hinrichs, Dreher, Bremer und Martens.

In diesem Jahr ging das Portal „Profi-Pflanzen.de“ für Betriebe der grünen Branche an den Start. Die Auswahl an Stauden und Gehölzen ist mittlerweile auf über 2.000 gestiegen. Das Pflanzen-Sortiment ist innerhalb kürzester Zeit lieferbar, entweder an den Betrieb oder auch an den Kunden selbst.

Da bei Bestellung bereits an der Kasse vom Kunden bezahlt wird, erfolgt der Geldeingang sofort nach der Pflanzen-Bestellung. Danach hat der Betrieb die Bestellung sofort „aus dem Kopf“. Denn nach dem Absenden der Bestellung im Internetshop kümmert sich Martin Müller, Baumschulinhaber aus Quakenbrück, um alles weitere. Er hat das Konzept, wie man die Ladentheke für das Pflanzen-Sortiment online verlängert, gemeinsam mit Horst Gössmann und der Greenworks GmbH (Feucht) entwickelt.

Das in der Datenbank hinterlegte Pflanzen-Sortiment stammt sicher von verschiedenen Betrieben?

Horst Gössmann: Das Obst- und Beerenobstsortiment stammt von der Baumschule Adolf Müller, das übrige Pflanzen-Sortiment von den Baumschulen Behrens, Hinrichs, Dreher, Bremer und Martens. Der Versand und die Koordination liegen zu 100 Prozent bei Herrn Müller.

Welche Vorteile bietet das System den Betrieben gegenüber der Einzelbestellung über Lieferanten?

Martin Müller: Die meisten Baumschulen haben sich auf ein Pflanzen-Sortiment spezialisiert und sind nicht auf den Versand von Einzelpflanzen eingestellt. Wenn ich Ware nachbestellen will, muss ich also eine Mindestbestellmenge ordern und warten, bis ich genug Bestellungen zusammen habe. Abgesehen davon, dass kaum ein Kunde so lange wartet, ist der organisatorische Aufwand nicht unerheblich. Mit Profi-Pflanzen.de fällt das weg, weil jeder Auftrag sofort erledigt wird und der Kunde seine Wunsch-Pflanzen kurzfristig erhält. Sowohl aus Kundensicht als auch organisatorisch ist das ein großer Vorteil.

Wie hoch sind die Margen, wenn man das Pflanzen-Sortiment zusätzlich über das Online-Portal anbietet?

Horst Gössmann: Das Konzept bietet dem Gärtner trotz Full-Service eine Spanne von 45 Prozent auf den Verkaufspreis. Die Margen liegen damit deutlich über dem „normalen“ Geschäft, da die Vorfinanzierung, der Platzbedarf, die Pflege und die Entsorgung des nicht verkauften Pflanzen-Sortiments entfällt. Außer dem Beratungsgespräch ist der Aufwand minimal.

Wie viele grüne Einzelhandelsbetriebe nutzen denn das Portal schon?

Wir haben mit drei „Versuchsbetrieben“ angefangen, um den reibungslosen Ablauf zu testen und durch deren Feedback Schwachstellen zu entfernen. Mittlerweile läuft alles einwandfrei. Das Pflanzen-Sortiment ist sukzessive ausgebaut worden und erst seit Jahresanfang haben wir die Werbung intensiviert. Mittlerweile ist die Teilnehmerzahl deutlich gewachsen.

Welche Art von Endverbraucher sind es, die sich über dieses Tool bedienen und Pflanzen bestellen lassen?

Es sind die normalen Kunden, die etwas anpflanzen wollen und dann sehr dankbar für den Service sind, dass sie eine gute Beratung erhalten und ihre Wunschpflanze kurzfristig bekommen. Die Hürde, nicht vor Ort greifbare Pflanzen online zu bestellen, ist im Fachbetrieb deutlich niedriger, weil der persönliche Kontakt zum Verkäufer sowie vergleichbare Pflanzenqualitäten bei der Kaufentscheidung mitwirken. Die Hürde, das Gartencenter zu verlassen und die Pflanze anderweitig zu bestellen, ist bei diesem Angebot dagegen deutlich höher.

Ist es Ihnen gelungen, mit diesem Portal wie beabsichtig die „digital Natives“ zu erreichen? Das setzt ja voraus, dass diese Kundengruppe erst einmal den Fachhandel betritt?

Das ist ein längerer Prozess. Wir erreichen die jungen Menschen, die sich ein neues Heim aufbauen und sich von den Eltern Rat holen, welche Pflanzen sie kaufen sollen. Oft gibt es auch ein Sponsoring der Eltern und man kauft gemeinsam beim Gärtner ein. Pflanzen im Internet zu beurteilen, ist schwer – und so erreicht die Verknüpfung der digitalen mit der realen Welt über Profi-Pflanzen.de auch die „digital Natives“. Durch das zusätzliche Werbepaket können teilnehmende Betriebe vor Ort diese Zielgruppe auch direkt ansprechen.

Welche Veränderungen/Verbesserungen planen Sie für die Zukunft?

Das Angebot von aktuell über 2.000 Pflanzen wird weiter ausgebaut. Als nächster Schritt ist ein komplettes Rosensortiment geplant. Wir werden die Anregungen der Verbraucher sammeln und als Basis für die Weiterentwicklung der verlängerten Ladentheke für das Pflanzen-Sortiment nutzen. Außerdem versuchen wir, die schon einfache Bedienbarkeit des Portals weiter zu verbessern und dem stationären Handel damit eine preisgünstige Möglichkeit an die Hand zu geben, dem Online-Handel Paroli bieten zu können.

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

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