Interview: Roboter rücken 240 Töpfe die Stunde

23.07.20118

Interview: Roboter rücken 240 Töpfe die Stunde

Es ist denkbar, dass die Baumschulroboter künftig in Zweiergruppen arbeiten. Einer rückt Töpfe, der andere düngt Pflanzen. Foto: Hauert

 

Jetzt ist die Robotertechnik auch in Containerbaumschulen angekommen: Das aufwändige Töpferücken kann zukünftig vom Modell HV-100 erledigt werden, einem selbsttägig arbeitenden Roboter, der diese eintönige Arbeit erledigen und jede Menge Personalkosten einsparen könnte. Der Praxiseinsatz des Gerätes befindet sich in einigen deutschen Baumschulen in der Probephase, während 200 amerikanische Produktionsbetriebe die Maschine bereits nutzen. Fachredakteurin Heike Hoppe sprach mit Vertriebspartner Hauert.

Warum hat sich Firma Hauert dafür entschieden, HV-100 Roboter zu vertreiben?

Rolf Lösch (Hauert Schweiz): Hintergrund unserer Entscheidung, den Allein-Vertrieb des HV-100 in Europa zu übernehmen, ist unser breites Sortiment an verschiedenen Aufstreudüngern. Wir haben lange nach einer automatisierten Lösung für die Nachdüngung gesucht. Diese repetitive Arbeit des Düngerstreuens kann gut von einem Roboter erledigt werden. Die des Topfrückens natürlich auch.

Was wiegt der Roboter und wie schnell arbeitet er?

Ludwig Eberspächer (Hauert Nürnberg): Das Gerät wiegt rund 50 Kilogramm. Das ist nicht ganz leicht, aber dank der Follow-me-Funktion, mit der der Roboter einem vor ihm gehenden Menschen folgt, muss er nur ausnahmsweise angehoben werden. Wenn der Roboter angehoben werden muss, um ihn zum Beispiel über eine Stufe zu heben, müssen zwei Personen anfassen.

Die Anzahl Töpfe, die der HV-100 in der Stunde rücken kann, hängt stark von der spezifischen Situation ab, in der der Roboter eingesetzt wird. Eine Faustzahl sind 240 Töpfe pro Stunde. Der Vorteil des Roboters ist, dass er nicht müde wird, keine Rückenschmerzen kriegt und konstant motiviert ist. Ein Mensch, der Töpfe trägt, lässt nach einer bestimmten Zeit mit der Arbeitsleistung nach, weil er müde wird oder die Glieder schmerzen, der Roboter arbeitet konstant.

Woher bekommt der Roboter Energie, wie lange halten die Batterien?

Ludwig Eberspächer: Vier Lithiumbatterien gehören zum Lieferumfang, mit je zwei von ihnen wird der Roboter betrieben, die anderen können währenddessen aufgeladen werden. Das Ladegerät, das zur Zeit ausgeliefert wird, braucht ungefähr acht Stunden für einen Ladevorgang, demnächst wird es auch ein Schnelladegerät geben, das dafür vier Stunden braucht. Mit einer Akkuladung läuft der Roboter je nach Arbeitsaufwand vier bis sechs Stunden.

Können Sie schon etwas über den Preis des Roboters sagen?

Ludwig Eberspächer: In Deutschland befindet sich der Vertrieb noch in der ganz frühen Pionierphase. Erst seit wenigen Tagen läuft der erste Roboter bei der Baumschule Ehlers in Westerstede-Hüllstede. Wir sind noch nicht in der Lage, etwas über den endgültigen Verkaufspreis zu sagen, weil wir den Betreuungsaufwand der Geräte noch nicht richtig kalkulieren können. Fest steht aber schon, dass wir für alle Interessenten grundsätzlich eine einmonatige Miete vor dem Kauf vorsehen. So haben unsere potenziellen Kunden ausreichend Zeit, sich intensiv mit dem Roboter zu beschäftigen, und können am Ende eine vernünftige betriebswirtschaftliche Entscheidung treffen.

Auf welchen Unterlagen können die Roboter eingesetzt werden? Wo stoßen sie an Grenzen?

Rolf Lösch: Der Roboter kann auf allen festen Unterlagen eingesetzt werden. Ideal sind ebene Flächen ohne Hindernisse wie Verankerungen oder Bewässerungsinstallationen. Mypex Schutzfolie etwa ist die typische Oberfläche, die in vielen Baumschulen eingesetzt wird und auf der der Roboter gut arbeitet. Möglich ist auch der Einsatz im Kies, je nach Korngröße des Kieses leidet aber wegen Schlupf der Räder die Genauigkeit der Positionierung.

Grenzen sind dem Roboter auf weichen beziehungsweise aufgeweichten Böden gesetzt. Pfützen oder stehendes Wasser können durch Reflexionen zu Orientierungsschwierigkeiten führen. In solchen Fällen stoppt der Roboter die Arbeit und sendet eine Meldung, warum er gestoppt hat.

Was passiert mit dem Roboter, wenn er auf Erde kommt und der Untergrund immer weicher wird?

Ludwig Eberspächer: Der Bodendruck des Roboters verteilt sich auf die zwei Antriebsräder und die Frontrolle, der Roboter wiegt etwa 50 Kilogramm, mit Topf vielleicht 60 Kilogramm. Genau wie ein Mensch wird der Roboter also immer mehr einsinken, auch auf Folie, je weicher der Untergrund wird.

Ist das Rücken durch Roboter auch unter Glas oder auf Tischen möglich?

Rolf Lösch: Unter Glas wird das Gerät bereits eingesetzt, dank fester Böden kann dort sogar mit höherer Geschwindigkeit gearbeitet werden. Für einen Einsatz auf Tischen ist das Gerät nicht gemacht.

Was ist mit Gefälle oder Stufen?

Ludwig Eberspächer: Gefälle bis fünf Prozent sind erprobt und möglich, steilere Hanglagen müssten individuell getestet werden. Stufen kann der Roboter nicht.

Gibt es eine Mindest- und Höchstgröße für die Töpfe? Müssen zum Wechsel von großen auf kleine Töpfe die Arme gewechselt werden?

Ludwig Eberspächer: Topfdurchmesser von 13 bis 32 Zentimetern sind möglich, es gibt drei verschiedene Greifertypen für verschiedene Topfdurchmesser und -höhen. Der Standardgreifer kann Töpfe mit Durchmessern von 17,5 bis 32 Zentimetern fassen und bewegen.

Wann ungefähr ist die Entwicklung eines mobilen Düngerdispensers marktreif? Gibt es einen Roboter, der rückt, und einen zweiten, der düngt? Oder werden beide Arbeitsschritte von einem Roboter ausgeführt?

Rolf Lösch: Es wird voraussichtlich darauf hinauslaufen, dass zwei Roboter zusammenarbeiten, einer rückt, einer düngt. Der Dispenser ist noch in Entwicklung, ein konkretes Datum zur Markteinführung können wir noch nicht nennen.

Welche Vorarbeiten muss der Betrieb leisten, etwa das Verlegen von Kabeln oder Induktionsschleifen?

Rolf Lösch: Eine Stärke des Roboters ist seine einfache Anpassung an das jeweilige Gelände. Das Arbeitsgebiet wird durch ein Grenzband, an dem sich der Roboter orientiert, und die dazu rechtwinklige Breite definiert. Die Breite wird direkt am Display des Roboters eingegeben. Feste Installationen wie Kabel oder Induktionsschleifen sind nicht nötig.

Newsletter