Ist die Zukunft der Blumengroßmärkte gesichert?

Führt man sich die Zukunft der Blumengroßmärkte vor Augen, dann sieht man Aspekte, die von den Verantwortlichen in den Märkten zu beeinflussen sind und andere nicht. Der gewählte Standort ist von hoher Bedeutung – wie man an den Blumengroßmärkten in Mannheim und Dortmund erkennen kann. (Martin Hein)

Blumengroßmärkte Mannheim und Dortmund: aktuelle Situation

Blumengrossmarkt Mannheim
Die meisten Käufer auf den Blumengroßmärkten stammen aus dem Blumenfachhandel. Foto: BGM Mannheim

Dortmund hat das Ruhrgebiet im Rücken, zum Einzugsgebiet gehören aber auch das Münsterland und das Sauerland. Die Nähe zum Niederrhein und die nicht weit entfernte niederländische Grenze bestimmen die Preisstruktur auf dem Blumengroßmarkt. Zudem sitzen in Düsseldorf und Köln zwei potente Blumengroßmärkte.

Ganz anders strukturiert ist dagegen die Metropolregion Rhein-Neckar mit Mannheim in Baden-Württemberg und Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz. Die Planungsregion ist mit 2,3 Millionen Einwohnern der zweitgrößte Wirtschaftsraum Deutschlands. Die Gartenbau-Gebiete am Niederrhein sind weit weg, die niederländische Grenze ebenso, das wirkt sich auf die Preise aus.

Blumengroßmärkte: Mannheim voll ausgebucht

Ein wahres Wunschszenario für Blumengroßmärkte: Mit 42 Anbietern – darunter 25 reine Erzeuger, einige gemischte Produktions- und Handelsfirmen, eine Baumschule und zwei Bedarfsgroßhändler – ist der Blumengroßmarkt Mannheim voll ausgebucht.

Zahlenmäßig gab es vor 20 Jahren mehr Anbieter, doch „die Betriebe sind seither deutlich größer geworden“, erläutert Hans-Georg Biller. „Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass die Sortimente schmaler geworden sind“, meint der Geschäftsführer des Blumengroßmarkts Mannheim.

Keine Karteileichen in den Blumengroßmärkten mehr

Größer geworden ist hingegen „der Warenaustausch zwischen den Anbieterbetrieben“ – eine Entwicklung, die sich auch auf anderen Blumengroßmärkten beobachten lässt und die nicht unterschätzt werden sollte. Frequentiert wird der Mannheimer Blumengroßmarkt von rund 1500 Einkäufern, wobei „der Blumenfachhandel dominiert“, erklärt Biller. Früher gab es deutlich mehr eingetragene Kunden, doch die Kundenkartei wurde bereinigt, „heute gibt es keine Karteileichen mehr“.

Die ökonomisch enge Beziehung der Blumengroßmärkte zum Blumenfachhandel ist für den Geschäftsführer des Mannheimer Marktes „Segen und Fluch gleichermaßen“. Man werde „gemeinsam bestehen oder untergehen“, an der Fixierung auf die gewachsene Kundenstruktur des inhabergeführten Blumeneinzelhandels werde sich aber nichts Einschneidendes ändern.

Preise sind große Herausforderung für Blumengroßmärkte

Preise sind für Biller „eine der großen Herausforderungen“ in Gegenwart und Zukunft der Blumengroßmärkte. Großvermarkter wie Landgard sollten eigentlich in der Lage sein, etwas gegen die Billigpreisstruktur zu unternehmen, meint er.

So ähnlich sieht das auch Herbert Kettermann, seit 15 Jahren Geschäftsführer des Blumengroßmarktes Dortmund: „Als ich 2001 anfing, kosteten Weihnachtssterne im 13er-Topf rund 1,53 Euro. Heute zahlt man für identische Produkte 1,75 Euro. Diese minimale Steigerung reicht nicht aus, zumal ja auch die Kosten für die Blumengroßmärkte deutlich gestiegen sind.“

Nachfolge im Gartenbau beeinflusst Zukunft der Blumengroßmärkte

Zu den großen Zukunftsfragen der Blumengroßmärkte zählen Hans-Georg Biller und Herbert Kettermann die Nachfolgesituation, sowohl bei den Floristen als auch im Gartenbau. In den Einzugsgebieten des Dortmunder und auch des Mannheimer Blumengroßmarktes habe es „in der jüngeren Vergangenheit keine Neugründung eines Gartenbaubetriebes gegeben“.

Von einer generellen Überalterung wollen die Verantwortlichen der Blumengroßmärkte in Dortmund und Mannheim aber nichts wissen. „Wenn ich mich in der Halle des Blumengroßmarktes umschaue, dann ist das Gros der Kunden zwischen 35 und 50 Jahre alt“, meint Biller. Dabei sind sich beide Geschäftsführer der Blumengroßmärkte darüber einig, dass „die Konkurrenz des klassischen Blumeneinzelhandels, der Systemhandel, weiter wachsen wird“.

Zukunftsfähige genossenschaftliche Struktur der Blumengroßmärkte gegeben

Mit Blick auf die Anbieterseite halten die Geschäftsführer beider Blumengroßmärkte die genossenschaftliche Struktur für zukunftsfähig. Auch die Spezialisierung auf wenige Artikel stelle „in ihrer Gesamtheit die Sortimentsbreite gut funktionierender Blumengroßmärkte sicher“, sagt Biller. Als weiteren positiven Ansatz nennt er die Bildung regionaler Marken. 

 

 

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