Kalifornischer Blütenthrips: Bekämpfung nach Rezept

09.05.2018

Für das Backen eines Kuchens benötigt man neben den Zutaten ein Rezept. Ganz ähnlich ist es bei der Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) in Schnittrosen, wo für die Gesunderhaltung der Pflanzen allein die Zutaten schon lange nicht mehr ausreichen. Das Rezept, also die Bekämpfungsstrategie, wird für Gärtner immer wichtiger, wie Expertin Juliane Braun weiß.

Bei der Produktion von Schnittrosen in Deutschland ist der Kalifornische Blütenthrips Frankliniella occidentalis der Problemschädling Nummer eins, der die Erzeugung gesunder und qualitativ hochwertiger Blumen oftmals erschwert. Seine Bekämpfung hat sich in den vergangenen Jahren als immer schwieriger erwiesen, sodass der Pflanzenschutzdienst Hamburg seit geraumer Zeit nach alternativen Methoden zum chemischen Pflanzenschutz forscht.

Pflanzenschutz-Strategie für Maßnahmen gegen Kalifornischen Blütenthrips

Befallsbild Kalifornischer Blütenthrips an Rosen. Foto: Juliane Braun

Neben Schüssel, Rührgerät und Zutaten benötigt man für den Kuchen ein Rezept, also eine Anleitung zum Backen. Auf den Pflanzenschutz übertragen heißt das: neben den verschiedenen Pflanzenschutzmaßnahmen ist eine Strategie notwendig, die zu einer optimalen Anwendung der Maßnahmen führt. Die Strategie soll dabei helfen, die Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen optimal zu kombinieren, sie zum richtigen Zeitpunkt, mit der korrekten Aufwandmenge und in der nötigen Anwendungshäufigkeit durchzuführen.

Beim Anbau von Schnittrosen in Norddeutschland sind beim Erstellen des Rezeptes beispielsweise die Winterruhe der Pflanzenbestände oder auch die gestaffelten Termine des -Anheizens von Gewächshäusern zu beachten. Aber bevor das „Rezept“ für die Thripsbekämpfung vorgestellt wird, soll näher auf die Gerätschaften und Zutaten eingegangen werden.

Denn ohne Schüssel, Mixer und Backform kann zumeist kein Kuchen gebacken werden. Bei der Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthrips sind es die grundlegenden Maßnahmen, die beim Anbau beachtet werden müssen. Dazu gehören gesunde Jungpflanzen, das optimale Kulturverfahren, Hygiene und ein regelmäßiges Monitoring.

Gesunde Jungpflanzen und Hygiene im Betrieb

Es ist wichtig, vor dem Pflanzen die Rosen auf Befall mit Schaderregern (vor allem Spinnmilben, Weiße Fliege, Thripse, Blattläuse und Echter Mehltau) zu überprüfen. Es sollten alle Knospen der Jungpflanzen entfernt werden. Wird ein Schädlingsbefall festgestellt, können die Paletten mit den Jungpflanzen zügig vor dem Pflanzen behandelt werden. Dabei können sowohl Nützlinge als auch biologische oder chemische Präparate zum Einsatz kommen. Nach dem Pflanzen sollten die Rosen regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) auf einen Befall mit Schaderregern überprüft werden. Das Aufstellen von Leimtafeln kann dabei helfen.

Auch wenn es den meisten Gärtnern schwerfällt: befallene Rosenblüten sollten immer entfernt werden, da sie eine Infektionsquelle für noch gesunde Pflanzen darstellen. Die Blüten gehören am besten in ein verschlossenes Behältnis (Eimer, Schürze oder Ähnliches) und nicht in die Wege oder Rosenbestände. Das Behältnis sollte auch beim Abpflücken der Blüten immer verschlossen gehalten werden, da die erwachsenen Thripse aus offenen Behältern leicht entkommen können. Die verschlossenen Behältnisse sind nicht auf den Kompost zu entsorgen, sondern in den Hausmüll. Unkraut, egal in welchem Anbausystem, ist zu entfernen, da es oftmals von Schädlingen als Zwischenwirt oder Überwinterungsquartier genutzt wird.

Monitoring: stetige Kontrolle der Rosenbestände

Monitoring heißt, regelmäßig die Rosenbestände zu beobachten – auch wenn dies für die Betriebe zeitaufwändig ist. Egal ob biologischer, integrierter oder chemischer Pflanzenschutz durchgeführt wird, eine stetige Kontrolle der Rosenbestände auf einen Befall mit Thripsen (und anderen Schaderregern) ist unumgänglich. Ziel dabei ist es, rechtzeitig mit einer Pflanzenschutzmaßnahme auf einen Befall reagieren zu können.

Helfen können bei den Beobachtungen zum Beispiel farbige Leimtafeln (Gelb: Thripse, geflügelte Blattläuse, Weiße Fliegen, Zikaden; Blau: Thripse). Bei den Kontrollen sollte man nicht immer die gleichen Stellen in einem Rosenbestand anschauen, sondern verschiedene Sorten und Positionen (Anfang, Mitte, Ende der Reihe) beobachten. Auch können Befallsherde zum Beispiel mit Stäben oder Ähnlichem markiert werden, damit Teilbehandlungen durchgeführt oder beim Ausbringen von Nützlingen die Befallsherde stärker belegt werden können.

Die Kontrollen dienen auch dazu, den Erfolg der Pflanzenschutzmaßnahmen einzuschätzen, damit gegebenenfalls Korrekturen vorgenommen werden können. Auch ist es sinnvoll, entweder eine oder mehrere Personen fest mit dem Monitoring zu betrauen.

Nützlinge, chemischer Pflanzenschutz und natürliche Präparate

Für jede Art von Kuchen benötigt man bestimmte Zutaten. Bei der Bekämpfung von Thripsen gehören zu diesen Zutaten der Einsatz von Nützlingen, von Präparaten natürlichen Ursprungs und/oder von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Eine Kombination der genannten Verfahren ist möglich. Sie stellt in vielen Betrieben den Standard dar, ist aber mit bestimmten Regeln beziehungsweise Abhängigkeiten verbunden.

Stellt man einen Befall mit Thripsen im Rosenbestand fest, ist es wichtig zu wissen, um welche Thrips-Arten es sich handelt. Die Thripse auf den Leimtafeln oder besser die Thripse in einer abgeknipsten Blüte sollten durch das jeweilige Labor des Pflanzenschutzdienstes bestimmt werden. Je nachdem welcher Thrips diagnostiziert wird, können die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden.

Nützlingseinsatz gegen Frankliniella occidentalis

Bei der Produktion von Schnittrosen hat sich gegen den Kalifornischen Blütenthrips vor allem der Einsatz von Raubmilben bewährt. Andere Gegenspieler wie Raubwanzen, Raubthripse oder Florfliegen-Larven haben sich in dieser Kultur nicht durchgesetzt. Die in jüngster Zeit vielfach über Blatt angewendete Nematode Steinernema feltiae (Produkte: Nemasys F oder -nemaflor) hat sich in den Versuchen beim Pflanzenschutzdienst Hamburg als nicht wirkungsvoll erwiesen.

Beim Einsatz der Raubmilbe Amblyseius cucumeris, die vor allem die jungen Larvenstadien frisst, ist es wichtig, diese frühzeitig bei geringem Schädlingsbefall einzusetzen. Auch der wiederholte Einsatz von hohen Mengen (alle zwei bis vier Wochen mehr als 500 Tiere pro Quadratmeter) ist für eine wirkungsvolle Thripsbekämpfung in Schnittrosen notwendig.

Inzwischen gibt es einige Mittel, deren Wirkstoffe natürlichen Ursprungs sind. Diese können eine Strategie gegen den Kalifornischen Blütenthrips vor allem durch den Wechsel der Wirkstoffe ergänzen. Dazu gehören zum Beispiel Neem Azal-T/S und PREV-AM.

Schnittrosen mit Mineral- oder Rapsöl behandeln

In den vergangenen Jahren hat sich in den Hamburger Betrieben mit Schnittrosen wieder eine Winterbehandlung mit Mineral- oder Rapsöl durchgesetzt. Nach Rückschnitt der Pflanzen im Januar und Februar werden sie vor dem Anheizen einmalig, manchmal sogar ein zweites Mal, behandelt. Da der Kalifornische Blütenthrips nicht nur als Puppe im Boden überwintert, sondern auch als erwachsenes Tier, können neben der Entwicklung von Spinnmilben, Weißer Fliege und Blattläusen auch die Thripse im Frühjahr gehemmt werden.

Wichtig bei der Anwendung aller Präparate gegen Frankliniella occidentalis ist, dass die Blockspritzungen (drei bis fünf Spritzungen) in engen Abständen (drei bis fünf Tage) mit wechselnden Wirkstoffgruppen und in den wachsenden Rosenbestand appliziert werden. Sowie die Knospen Farbe zeigen, hat eine Behandlung keinen Sinn mehr, da die vorhandenen Thripse sich sehr gut in den Knospen verstecken können. Selbst systemische Präparate gelangen nur in sehr geringen Mengen in die Blüte, sodass sich hier kaum eine bekämpfende Wirkung einstellt. Zusätzlich sollte man immer darauf achten, dass die Mittel unter das Blatt appliziert werden, da sich die Thrips-Stadien auch blattunterseits befinden.

Bei einem Befall mit Kalifornischem Blütenthrips bereits im ersten Blütenflor sollte eine Blockspritzung mit Pflanzenschutzmitteln eingeplant werden, da eine Ausbringung von Nützlingen zu diesem Zeitpunkt oftmals nicht den gewünschten Erfolg hat. Ist geplant, ab dem zweiten Flor mit Nützlingen zu arbeiten, sollte man bei den ersten Spritzungen auf nützlingsschädigende Präparate mit langer Wirkungsdauer (wie Mesurol flüssig) verzichten.

Das individuelle Rezept zur Bekämpfung

Neben den reinen Zutaten, die man für das Backen eines Kuchens benötigt, ist es oft wichtig, vorab im Rezept zu lesen, in welcher Reihenfolge die Zutaten mit welchen Mengen in die Schüssel kommen sollen. Bei einem Kuchen reicht ein Rezept aus, um zum gewünschten Erfolg zu kommen. Leider gibt es bei der Thripsbekämpfung nicht das eine Standardrezept, das zu gesunden Rosen führt.

Verschiedene Maßnahmen müssen miteinander kombiniert und je nach Befallssituation und klimatischen Bedingungen angepasst und verändert werden. Meist muss sich ein Gartenbaubetrieb sein eigenes Rezept schreiben und ausprobieren, das zumeist auch nicht für jedes Jahr passend ist.

Keine ultimative Lösung gegen Blütenthrips

Bei der Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthrips müssen alle vorhandenen Maßnahmen genutzt werden. Dabei sollte an mehreren Punkten (Klimabedingungen, Bekämpfung der Puppen im Boden/Substrat sowie der Larven und erwachsenen Tiere an den Pflanzen) angesetzt werden.

Die ultimative Lösung gegen den Kalifornischen Blütenthrips wird sich nicht so schnell finden lassen. Jeder Betrieb mit seinen Rosensorten und Anbausystemen muss sich seine eigenen Zutaten zusammenstellen und das für ihn passende Rezept schreiben. Wichtig dabei ist, die ausgewählten Maßnahmen sehr konsequent und sorgfältig durchzuführen.

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