Knoblauchsland: von A wie Aubergine bis Z wie Zucchini

10.08.2018

Das Knoblauchsland umfasst 180 Hektar Bioanbau. Foto: AELF

Das Knoblauchsland ist ein Gemüseanbaugebiet in besonderer Lage: Im Städtedreieck zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen ist Flächenwachstum fast unmöglich. Doch wohin können die Betriebe wachsen? Zum Beispiel in Sortimentsvielfalt, Innovationsbereitschaft und neue Vermarktungsstrategien. Von Fachredakteurin Heike Hoppe.

Gärtnermeister Johannes Höfler baut mit seinen Eltern am Stadtrand von Nürnberg auf vier Hektar Fruchtgemüse unter Glas an. Gleichzeitig ist er Vorsitzender des Gemüseerzeugerverbandes Knoblauchsland und stellte im Rahmen des von der TASPO und der Messe Essen veranstalteten Obst-, Gemüse- und Kräutertages auf der IPM 2018 dem interessierten Fachpublikum „Gemüseanbau in der Metropolregion Nürnberg“ vor – die Besonderheiten, die Menschen und ihre Strategien, das fast unmögliche Flächenwachstum zu kompensieren.

Das Knoblauchsland in seiner gemüsebaulichen Struktur

Das Knoblauchsland ist ein Gemüseanbaugebiet mit ungefähr 1.800 Hektar. Die großen Mitbewerber sind am Niederrhein, in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, der Pfalz und den Niederlanden. Von Konkurrenz könne man aber kaum sprechen, schränkt Gärtnermeister Johannes Höfler ein, der mit seinen Eltern am Stadtrand von Nürnberg auf vier Hektar Fruchtgemüse unter Glas anbaut. Eben weil fast alle Anbaugebiete sehr regional vermarkten.

Die Besonderheit des Knoblauchslandes: Die gemüsebaulich genutzte Fläche ist von den drei Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen eingeschlossen. Das bedeutet für die Betriebe, dass so gut wie kein Wachstum stattfinden kann, weil es keine Flächen gibt, die noch erschlossen werden können. Das Knoblauchsland in der Übersicht:

  • etwa 120 Betriebe,
  • über 700 Festangestellte,
  • etwa 3.000 Saisonarbeitskräfte,
  • von den 2.000 Hektar im Konblauchsland sind 1.800 gemüsebaulich nutzbar.

Biologischer Anbau im Knoblauchsland macht wichtigen Anteil aus

Der biologische Anbau im Knoblauchsland macht inzwischen einen wichtigen Anteil der Fläche aus: Im Freiland sind etwa 180 Hektar Bioanbau, unter Glas etwa acht Hektar. Ab 2000 erlebte der Unterglasanbau im Knoblauchsland einen regelrechten Boom. Wie kam es dazu? Höfler: „Weil unsere Flächen so klein strukturiert sind, dass man nur erschwert arbeiten kann. Ein durchschnittlicher Betrieb hat acht Hektar Fläche, aber meist nicht an einem Stück, sondern im Normalfall auf 15 bis 20 unterschiedliche Flurstücke verteilt.“

Deshalb kamen in den 2000ern die ersten Gewächshäuser, sie waren zu Beginn noch relativ klein. Für die Betriebe war das eine der wenigen Möglichkeiten, in die Zukunft zu investieren. Höfler: „In dieser Zeit haben wir Märkte erschlossen und uns mit sehr guten Produktqualitäten unsere Geschäfte gesichert.“

Gemüseanbau immer unter strenger Beobachtung

Eine weitere Besonderheit, erklärte Höfler: Wenn man so stadtnah Gemüse produziere, habe man ein höheres Augenmerk von der Bevölkerung. Gerade bei Themen wie Wasserverbrauch, Düngung und Pflanzenschutz. „Wir sind ständig unter Beobachtung der Bürger und Verbraucher“, sagt Höfler.

Eine wichtige Säule der Öffentlichkeitsarbeit seien daher gute Verbandsstrukturen. Die für das Knoblauchsland wichtigsten Organisationen und Verbände: Der Bayerischer Bauernverband, der Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland, der Wasserverband Knoblauchsland, der Gemüseerzeugerring Knoblauchsland für die produktionstechnische Beratung, der Verband der Gärtnermeister Knoblauchsland, der Arbeitskreis Flurbereinigungsteilnehmer, die Raiffeisenbank Knoblauchsland sowie die Vermarktungsgenossenschaft Franken-Gemüse Knoblauchsland.

„Ohne Wasserverband würde es unser Anbaugebiet nicht geben“

„Der Wasserverband Knoblauchsland ist für uns der wichtigste“, betont der Gärtnermeister, „ohne den würde es unser Anbaugebiet nicht geben. Die Ressource Wasser ist extrem wichtig“. Der große Vorteil des Anbaugebeites: seit 1996 kann aufgrund eines gefördertes Projekt Wasser aus nahen Flüssen entnommen werden. Höfler stellte deshalb klar heraus: „Hätten wir den Wasserverband nicht, könnte der Gemüseanbau im Knoblauchsland so nicht extistieren.“

Ein Beispiel für die Marketingarbeit des Verbands der Gärtnermeister ist die „Lerndokumentation über das Knoblauchsland“ (siehe Kasten). Höfler erklärte das Hauptziel des Projekts: „Damit wollen wir unsere zukünftigen Verbraucher schon in der Schule abholen!“

In diesem Zusammenhang erwähnte Höfler auch: „Jährlich fahren 150 bis 200 Busse Besucher durch unsere Betriebe – auch dies ist ein wichtiger Baustein unserer Öffentlichkeitsarbeit.“

Knoblauchsland: Breit aufgestellt mit der gesamten Fruchtgemüsereihe

Die 120 Betriebe des Knoblauchslandes stellen die komplette Vielfalt im Gartenbau dar, erklärte Höfler: Zierpflanzenbetriebe, reine Gemüsebaubetriebe, Mischbetriebe, die Freiland und unter Glas anbauen, Betriebe, die nur Freilandanbau machen oder nur unter Glas anbauen. „Der größte Vorteil in unserem Gebiet wie in jeder guten Firma auch: man muss in der Breite gut aufgestellt sein, um gegen Krisen gut gewappnet zu sein.“

Das stete Wachstum der vergangenen Jahre erkläre sich auch dadurch, dass die Betriebe sehr breit aufgestellt seien. „Kleine Pepperoni hätte vor drei Jahren niemand angebaut, heute sind es bestimmt zwei Hektar Anbaufläche. Auberginen und Paprika in allen Formen und Farben, etwa 15 unterschiedliche Tomatensorten.“ Auch wage man immer wieder Neues, etwa den Unterglasanbau von Erdbeeren oder hydroponische Salate.

Die Vermarktung geht weit über Nürnberg hinaus

„Mit mehr als 100 Hektar Fruchtgemüseanbau unter Glas“, erklärte Höfler, „haben wir eine erhebliche Menge an Gemüse, die vermarktet werden muss. Wir können nicht einfach sagen, wir bauen ein Gewächshaus für Tomaten, irgendwer wird die schon kaufen.“ Zur Veranschaulichung: ein Hektar Tomatenanbau unter Glas bringt etwa 50 Kilo Tomaten pro Quadratmeter. „Das geht nicht mehr ausschließlich in der Region Nürnberg. Mittlerweile können wir den kompletten süddeutschen Markt mit Fruchtgemüse abdecken und sind angewiesen auf die Großmärkte Stuttgart, Frankfurt und München, die Direktabsätze auf den Wochenmärkten der Metropolregion Nürnberg und den LEH.“

Die Wichtigste Vermarktungsorganisation ist die Genossenschaft Franken-Gemüse, die fast 50 Prozent der gesamten Produktion von Freiland-, Gewächshaus- und Biogemüse vermarktet. Höfler veranschaulichte den Vermarktungsmix am Beispiel seines eigenen Betriebes: „Wir vermarkten etwa die Hälfte unserer Gesamtproduktion an die Frankengemüse und die andere Hälfte direkt, davon 90 Prozent an den LEH, da sind alle dabei: Edeka, Aldi, Norma, Lidl und anderen regionale Anbieter, wir können es uns gar nicht erlauben, Kunden abzulehnen.“

Die nächste Generation: gemeinsam sind wir stärker

Die hohe Anzahl an Organisationen macht deutlich: hier arbeiten viele Menschen und Institutionen zusammen. Und Zusammenarbeit ist nach Höflers Überzeugung auch die Zukunft des Knoblauchslandes. Er erinnert sich: „Es gab früher ein Sprichwort: Will man zwei Gärtner unter einen Hut bringen, muss man einen erschlagen!“ Das gelte für seine Generation nicht mehr. Ein Grund für den Erfolg der Gemüsebauern im Knoblauchsland sei, dass die Barrieren zwischen den Betrieben klein sind: man spricht mehr miteinander, nutzt mehr Synergien für Logistik, Verkauf und Vermarktung. „Denn wir sind erfolgreicher, wenn wir zusammenarbeiten.“

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