Nachhaltige Stauden-Produktion

Auf dem diesjährigen Topfpflanzentag am Versuchszentrum Gartenbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Straelen dominierten Stauden und die nachhaltige Stauden-Produktion die Agenda. Von Werner Oschek

Nachhaltige Staudenproduktion Sempervivum
Die nachhaltige Stauden-Produktion des Gartenbau-Unternehmers Heiner Deselaers erzeugt unter anderem Sempervivum.

Der Gartenbau-Unternehmer Heiner Deselaers (Kerken) gab einen Erfahrungsbericht, setzt er doch auf nachhaltige Stauden-Produktion. Dabei bewirtschaftet der Betrieb 10.000 Quadratmeter Glas- und Foliengewächshäuser und etwas mehr als einen Hektar Freiland. Die nachhaltige Stauden-Produktion bringt Sedum, Sempervivum und Hosta sowie kleinere Partien Helleborus orientalis, Agapanthus und einige Besonderheiten wie Rhodohypoxis hervor.

Vor einem Jahr bekam der Betrieb die Möglichkeit, am Projekt Bio-Light teilzunehmen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für ökologischen Landbau finanziert und der Betrieb von einer Beraterin betreut. Ziel ist nicht die Bioland-Zertifizierung, sondern möglichst viele Methoden auszuprobieren und chemische Mittel zu reduzieren, um so eine durchgängig nachhaltige Stauden-Produktion zu ermöglichen. Sein Credo ist: so viel Bio wie wirtschaftlich möglich und so wenig Chemie wie nötig. Deselaers glaubt, der vernünftige Mittelweg ist am Besten und nimmt am meisten Produzenten mit. Er hat drei wichtige Ansatzpunkte: das Substrat, die Düngung und den Pflanzenschutz.

Im vergangenen Jahr hat der Produzent ein Substrat nach Bioland-Richtlinie verwendet, kam damit aber nicht gut klar. Jetzt ist er zu einem Substrat mit 70 Prozent Torf und 30 Prozent Kokosmark gewechselt, das der EU-Ökonorm entspricht. Die nachhaltige Staudenproduktion sehe bisher kein Patentrezept in diesem Bereich vor, und jeder müsse es selber ausprobieren, so Deselaers.

Es könnten weitere Zuschlagstoffe wie Kompost, Bims, Rinde, Kokosfasern oder Perlite dazu gemischt werden. Je mehr Stoffe zugemischt werden, umso teurer werde das Substrat. Sein Substrat hat derzeit einen Preis von 54 Euro pro Kubikmeter. Ein Problem bei den Ersatzstoffen sei, dass die Pflanzen ganz anders gegossen werden müssen. Sie seien öfter und in größerer Menge zu gießen, was sich ökonomisch negativ auswirke. Nachhaltiges Stauden-Produktion hin oder her, auch da müsse nach seiner Überzeugung ein Mittelweg gefunden werden.

Deselaers glaubt auch bei der Düngung dass eine Mischung konventioneller und ökologischer Düngung eine sinnvolle Variante sei, da die Kosten – auch für die nachhaltige Stauden-Produktion – passen müssen. Ein Problem beim Substrat war, dass bei einem hohen C:N Verhältnis nicht genügend Nährstoffe an die Pflanze zu bekommen waren. Hinzu kamen die hohen Niederschläge, sodass mit viel mineralischem Dünger gegengesteuert werden musste.

Beim Pflanzenschutz arbeitet Deselaers – ganz nachhaltige Stauden-Produktion – schon viele Jahre mit Nützlingen. Bei Helleborus setzte er in diesem Jahr keine neuen Schlupfwespen gegen Blattläuse ein, denn die waren schon vorhanden und haben die Schädlinge gut dezimiert. Nur bei sehr starkem Zuflug wurde chemisch behandelt. Weiter waren keine Spritzungen nötig. Zum Ende der Kultur erfolgt eine Abschlussspritzung.

Gegen Spinnmilben hat eine einzige Spritzung ausgereicht. Sie wirkte sehr gut, und es gab keine Resistenz. Daraus folgert Deselaers, für die nachhaltige Stauden-Produktion vermehrt und regelmäßig Pflanzenstärkungsmittel einzusetzen. Daher hat er technisch für ein regelmäßiges Ausbringen umgerüstet. Er arbeitet mit dem System Bongartz. Es hat neun Bestandteile, die ins Düngebecken kommen. Deselaers hat auch Versuche mit effektiven Mikroorganismen, einer kommerziellen Mischung aus verschiedenen, universell vorkommenden aeroben und anaeroben Mikroorganismen, gemacht und bereits nach drei bis vier Wochen deutliche Unterschiede gesehen.

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