Neue Versicherung gegen Xylella, ALB und CLB

17.04.2018

Die Gartenbau-Versicherung (GV, Wiesbaden) will einen Versicherungsschutz gegen Auswirkungen von Quarantäneverfügungen beim Auftreten bestimmter Quarantäneschadorganismen anbieten. Einen entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrates gab der Vorstand der GV jetzt bekannt. Von Fachredakteur Lorenz Wieland.

Gartenbau-Versicherung will Ergänzungsklausel anbieten

Versicherung Quarantaeneschaediger Asiatischer Laubholzbockkäfer LfL Bayern
Der Asiatische Laubholzbockkäfer gilt als Quarantäneschädiger. Bei Auftreten müssen alle möglichen Wirtspflanzen in einem Umkreis von 100 Metern vernichtet werden. Ein „Supergau“ für Gartenbau-Unternehmen. Foto: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG), der für eine Versicherungslösung gegen Quarantäneschädiger eintritt, begrüßte die Ankündigung. Wie dieser ausführte, sind auch noch andere Anbieter im Spiel, und man rechne noch vor Ende Juni 2018 damit, allen Verbandsmitgliedern ein Angebot für eine breite Absicherung anbieten zu können.

Die GV will nun voraussichtlich noch bis Ende März 2018 ihren Mitgliedsbetrieben eine ergänzende Klausel anbieten, die den bestehenden Deckungsumfang entsprechend erweitert. Bei Abschluss der Klausel werde bei einer behördlich angeordneten Quarantäneverfügung in Form eines Verbringungsverbotes von Pflanzen aus Befalls- oder Pufferzonen Schadenersatz geleistet. Bei dem Angebot der GV sollen folgende Quarantäneschadorganismen einen Versicherungsfall auslösen:

  • Xylella fastidiosa (Feuerbakterium)
  • ALB (Asiatischer Laubholzbockkäfer)
  • CLB (Zitrusbockkäfer)

Finanzieller Ausgleich von Folgeschäden durch Xylella, ALB und CLB 

Aufgrund einer Quarantäneverfügung zu tilgende oder zu vernichtende Pflanzen würden nicht entschädigt, wohl aber Folgeschäden wie Unterbrechung der nachfolgenden Produktion bis zu zwölf Monate. Die GV verweist für diese Fälle darauf, dass die ab Dezember 2019 anzuwendende neue EU-Verordnung zum Schutz vor Pflanzenschädlingen für angeordnete Tilgungsmaßnahmen staatliche Entschädigungsmöglichkeiten vorsieht, wenn hierfür nationale Systeme vorhanden sind. Hier seien die Politik und die Berufsverbände gefordert.

Die Erweiterung des Versicherungsschutzes werde sowohl für Gewächshaus-Kulturen im Rahmen des Produktes Hortisecur G zu der sogenannten Verderbschadenversicherung (TV Verderb), als auch für die Freilandproduktion im Produkt Hortisecur F als Erweiterung der Mehrgefahren-Ergänzungsdeckung angeboten. Für Gartencenter ist eine Ergänzung der Feuer-Betriebsunterbrechungs-Versicherung vorgesehen. Der für den Versicherungsschutz erforderliche Beitrag werde in den jeweiligen Basisprodukten unterschiedlich sein. Hierzu will die Gartenbau-Versicherung ihren Mitgliedern sobald wie möglich individuelle Angebote unterbreiten.

Zentralverband Gartenbau: Fonds nicht vom Tisch

Der ZVG begrüßt den Schritt der Gartenbau-Versicherung, die Unternehmen im Risikomanagement zu unterstützen und für ihre Bestandskunden zumindest für drei Quarantäneorganismen einen Risikoausgleich zu ermöglichen. Die Betriebe stünden jetzt vor Problemen und suchten nach schnellen Lösungen, führt der Verband aus. Dies sei ein erster Ansatz. Laut ZVG sind weitere Versicherungsanbieter noch im Rennen, und man rechne vor Ende Juni 2018 damit, allen Mitgliedern ein Angebot für eine breite Absicherung machen zu können.

Ist nun die Fondslösung, die der Bund deutscher Baumschulen (BdB) präferiert, vom Tisch? Zu diesem zwischen dem BdB und dem ZVG strittigen Punkt macht der Zentralverband Gartenbau gegenüber der Wochenzeitung TASPO deutlich: „Der ZVG ist für alle Lösungen, die den Unternehmen dient, offen. Letztlich muss die Politik die Frage beantworten, ob mit einem Fonds eine Risikoabsicherung für Gartenbaubetriebe möglich ist.“

Risikoausgleich für Quarantänefälle wie in der Landwirtschaft gefordert

Mitte Januar hatte der ZVG eine politische Unterstützung des Gartenbaus im Quarantänefall, wie dies auch in der Landwirtschaft über verschiedene Risikosausgleichsinstrumente möglich ist, gefordert. Außerdem sprach sich der ZVG dafür aus, dass die politische Diskussion um Entschädigungsregelungen auf nationaler und EU-Ebene ungeachtet der vom ZVG bei verschiedenen Anbietern angefragten Versicherungslösung weitergehen sollte. Wie der ZVG dazu nun erläutert, sei die rechtliche Situation sehr komplex. Es gebe mehrere EU-Instrumente, die aber nur sehr eingeschränkt für betroffene Gartenbaubetriebe Anwendung finden könnten. Beispielsweise sei eine nationale Umsetzung der ELER-Maßnahmen bislang noch nicht vorgesehen, wofür die politische Zustimmung notwendig wäre.

Da Entschädigung bei Quarantänefällen primär Aufgabe der Länder ist, diskutiere der ZVG alle Möglichkeiten mit der Politik in Land und Bund sowie den zuständigen Behörden. „Eine schnelle Lösung, die unsere Betriebe so dringend benötigen, ist aufgrund der Komplexität aber leider nicht zu erwarten.“

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