Unterschriftenaktion: Neuer Widerstand gegen Glyphosat

15.08.2017

Europaweit haben Initiativen über eine Million Unterschriften gegen einen weiteren Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat gesammelt. In Deutschland und der ganzen Europäischen Union bleibt das Herbizid umstritten. (Katrin Klawitter)

EBI sammelt in Deutschland 700.000 Unterschriften gegen Glyphosat

Glyphosat
Das Vorhaben der EU-Kommission, Glyphosat für weitere zehn Jahre zuzulassen, stößt auf öffentlichen Widerstand.

Der Streit um Glyphosat mobilisiert viele Europäer: Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Stop Glyphosat“ hat Anfang Juli mehr als 700.000 Unterschriften alleine aus Deutschland beim Bundesverwaltungsamt in Köln zur Überprüfung eingereicht.

In weniger als fünf Monaten haben insgesamt 1.320.517 Menschen aus allen 28 EU-Mitgliedstaaten die Petition gegen eine Weiterverwendung des Herbizids Glyphosat unterzeichnet, meldet das Umweltinstitut München.

Damit wurde die notwendige Voraussetzung, innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften zu sammeln, deutlich übertroffen. Die Unterzeichner fordern von der EU-Kommission ein Verbot des Totalherbizids und eine Reform des Zulassungsverfahrens für Pestizide.

NABU: Pestizide aus dem Handel verbannen

Der Naturschutzbund (NABU) ging sogar noch einen Schritt weiter und rief in den vergangenen Wochen zu Meldeaktion „Pestizide aus dem Handel verbannen“ auf. Wie der Verband meldet, haben 300 Personen Online-Händler genannt, die noch Herbizide verkaufen, die auf dem Wirkstoff Glyphosat aufbauen. Insgesamt 44 Produkte sind in Deutschland zugelassen, fast alle davon werden über den Online-Handel vertrieben, so der NABU. Im zweiten Schritt werden die betreffenden Firmen nun von der Naturschutzorganisation angeschrieben.

Herbizid Glyphosat: BUND sieht große Besorgnis

Das Umweltinstitut München sieht die große Zahl an Unterschriften als klaren Handlungsauftrag an die EU-Kommission. Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt: „Die Rekordgeschwindigkeit, mit der die Unterschriften gesammelt wurden, zeigt die große Besorgnis der europäischen Bevölkerung beim Thema Glyphosat.“ Hinter der EBI stehen rund 100 Organisationen in der EU.

Erst kürzlich hatte die EU-Kommission bekannt gegeben, eine Wiederzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre zu planen. Im Herbst könnte bereits die Abstimmung folgen. Gerade in Deutschland gibt es in der vergangenen Zeit wieder vermehrt Stimmen, die das Krebsrisiko von Glyphosat für unterschätzt halten.

Hat das BfR das Risiko durch Glyphosat falsch eingeschätzt?

Der Wissenschaftler Professor Christopher Portier, ehemaliger Direktor des National Institute of Environmental Health Sciences der USA, sieht beispielsweise beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wissenschaftliche Fehler. Die Behörde hätte nur in jedem fünften Fall das erhöhte Krebsaufkommen bei Tieren unter Glyphosat-Einfluss erkannt.

Ein Zeichen setzte der amerikanische Bundesstaat Kalifornien: Er hat Glyphosat seit dem 7. Juli auf eine Liste von Chemikalien gesetzt, die Krebs erregen können, meldet der Informationsdienst Gentechnik. Als Konsequenz müssen in dem Staat Produkte, die Glyphosat enthalten, binnen eines Jahres als „krebserregend“ gelabelt werden.

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

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