„Nichts lief normal“ im Großhandel mit Gehölzen

31.08.2018

„Nichts lief normal“ im Großhandel mit Gehölzen

Die Baumschulen in Weser-Ems melden ein stagnierendes Preisniveau gegenüber 2017

Die Wetterextreme der vergangenen Monate brachten die Baumschulen teilweise an ihre Belastungsgrenzen, wie eine Umfrage von Fachredakteurin Marie Schröder unter einigen Landesverbänden im Bund deutscher Baumschulen (BdB) zeigt.

Langer Frost vermiest Frühjahrsgeschäft im Gehölz-Großhandel

Langer Frost und anschließend viele heiße Wochen vermiesten das Frühjahrsgeschäft. Frei nach dem Motto „Es kann nur besser werden“ schauen die Betriebe mit Großhandelsgeschäft in Weser-Ems und Hamburg nun positiv nach vorn.

Die Baumschulen mit Großhandelsausrichtung (rund 95 Prozent) im Landesverband Weser-Ems schauen auf ein wenig positives Frühjahr zurück. Die abgesetzten Mengen als auch die Preise bewerten sie mit der Schulnote Drei. „Durch den Frost im März und die extrem hohen Temperaturen im Mai war das Frühjahrsgeschäft zu kurz, sodass nicht die gewünschten Mengen abgesetzt werden konnten“, heißt es aus Westerstede auf Nachfrage. „Nichts lief normal.“ Durch den beschriebenen Witterungsverlauf wäre das Versandfenster sehr kurz gewesen. Das wiederum führte zu einer extremen Arbeitsbelastung in den Betrieben.

Die einzelnen Produktbereiche bewertet der Landesverband folgendermaßen:

  • Rosen: gut,
  • Laubgehölze: gut,
  • Immergrüne und Koniferen: befriedigend,
  • Obstgehölze: gut,
  • Autochthone/gebietsheimische Gehölze: ausreichend bis mangelhaft,
  • Stauden: gut.

Baumschulen beurteilen Geschäft mit Pflanzenmärkten gut bis befriedigend

Das Geschäft mit Gartencentern, Pflanzenmärkten und Einzelhandelsbetrieben beurteilen die Baumschulen mit einer Zwei bis Drei, je nach Sortiment. „Im Garten- und Landschaftsbau ist der Absatz nach wie vor stabil. Allerdings sind die Aufträge oft kleinteilig und kurzfristig.“ Überwiegend gut sei das Geschäft mit anderen Baumschulen.

Im Bereich Export lief es Richtung Skandinavien positiv, Richtung Osten allerdings schwierig. „Wie gehabt schwierig“ war auch der Absatz an Kommunen beziehungsweise über Ausschreibungen. Befragt zur Entwicklung des Preisniveaus gegenüber dem Vorjahr, antwortet der BdB-Landesverband Weser-Ems, dass es überwiegend stagniert. Bei knappen Artikeln seien leichte Preissteigerungen möglich.

Alles in allem blicken die Betriebe in Weser-Ems vorsichtig positiv auf das Sommergeschäft. Zu dieser Zeit machen sie nur rund zehn Prozent ihres Jahresumsatzes. Auf den Herbst fallen 30 Prozent und auf das Frühjahr 60 Prozent.

Großhandel Hamburg: schwierige Lage für Absatz von Gehölzen im Frühjahr

Ähnlich verteilt sind die Umsatzanteile in den Baumschulen im BdB-Landesverband Hamburg. Die Sommersaison macht auch dort nur zehn Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus. Im Herbst sind es 35 Prozent und im Frühjahr 55 Prozent.

Auch in und um die Hansestadt, wo fünf Betriebe Großhandel betreiben, war das Frühjahr schwierig und der Versand komprimiert. „Es war ein schnelles, kleinteiliges Geschäft mit extrem kurzen Vorlaufzeiten“, sagt Bernhard von Ehren, Vorsitzender des Landesverbandes Hamburg.

Die Menge beurteilen die Betriebe mit der Note Eins bis Zwei, den Preis mit einer Vier.

Die Produktgruppen im Detail:

  • Laubgehölze: gut bis befriedigend (Renner: Stadtbäume der Zukunft wie Sophora, Gleditsia, Liquidambar, Sorbus Dodong, Verlierer: Fraxinus, Alnus),
  • Immergrüne und Koniferen: gut bis befriedigend (besondere Renner: Taxus, Pinus, Thuja, Verlierer: Scheinzypresse),
  • Obstgehölze: befriedigend (Renner: Apfel, Birne, Verlierer: Kirsche),
  • Landschafts- und Wildgehölze: ausreichend (Renner: Wildstrauch, Verlierer: Blütengehölze).
  • Autochthone/gebietsheimische Gehölze: Verfügbarkeit befriedigend, Preis mangelhaft (Renner: Eiche, Winterlinde, Weißdorn, Acer campestre)

Gehölze: kommunaler Absatz in Hamburg „schlecht“

Das mengenmäßige Geschäft im Bereich Garten- und Landschaftsbau bewertet Hamburg mit einer Zwei. In Sachen Qualität wurde eine Drei bis Vier vergeben. Der kommunale Absatz wird als „schlecht“ eingestuft. Auf einem mittleren Niveau hingegen liegt der Absatz an andere Baumschulen. Besser noch lief das Exportgeschäft (gut). Die Hamburger Baumschulbetriebe teilen die Ansicht derer aus Weser-Ems, dass das Preisniveau insgesamt stagniert. Nur in einzelnen Bereichen sei es gestiegen. Anstiege seien im Sommer beim Versand zu erwarten. Dieser werde immer wichtiger.

Freilandware: Saison war viel zu kurz in Sachsen und Schleswig-Holstein

Mittelmäßig bis mangelhaft bewerten die Landesverbände (LV) Schleswig-Holstein und Sachsen im Bund deutscher Baumschulen (BdB) ihr diesjähriges Großhandels-Frühjahrsgeschäft und schließen sich damit der Meinung der LV Hamburg sowie Weser-Ems an.

Die Baumschulen im BdB-Landesverband Schleswig-Holstein schlossen das Großhandels-Frühjahr mit einer Drei bis Vier ab. Die Saison für Freilandware, in der sie 55 Prozent des Jahresumsatzes machen (Sommer: 15 Prozent, Herbst: 30 Prozent) war mit vier Wochen zu kurz, heißt es aus Ellerhoop. Wie im Rest von Deutschland, startete der Versand durch den langen Frost erst verspätet Mitte März.

Schleswig-Holstein: Wärmster und trockenster Mai bremst Gehölz-Absatz

Durch die hohen Temperaturen schon ab Anfang Mai wäre eine Rodung sowie eine Lieferung von Freilandgehölzen nicht mehr möglich gewesen. „Der wärmste und trockenste Mai seit rund 100 Jahren hat uns sehr zu schaffen gemacht“, betont Landesverband-Geschäftsführer Dr. Frank Schoppa. Bis auf die Jungpflanzen, wurden die einzelnen Produkte dementsprechend schlecht verkauft:

  • Rosen: befriedigend bis mangelhaft (Renner: Bodendecker),
  • Laubgehölze: befriedigend (Renner: Heckenpflanzen, besonders im Container, Cornus-Sorten, Hamamelis, im Baumbereich: Acer campestre, Liquidambar, kleinkronige Bäume/ Verlierer: Blütengehölze, geringere Nachfrage bei Wurzelware),
  • Immergrüne und Koniferen: befriedigend (Renner: Kirschlorbeer, Taxus für Hecken, Thuja ‘Smaragd’, Ilex und Rhodod. ‘Bloombux’ als Buxus-Ersatz, Verlierer: verhaltenere Nachfrage bei Thuja occ ‘Brabant’),
  • Obstgehölze: befriedigend bis mangelhaft (Renner: Himbeeren im Container und Beerenobst, Verlierer: Freiland-Obstgehölze),
  • Jungpflanzen: gut bis befriedigend (Abverkauf über das gesamte Sortiment zufrieden- bis sehr zufriedenstellend, Koniferen etwas rückläufig),
  • Landschafts- und Wildgehölze: befriedigend (Trotz kurzer Versandzeit sind viele Wildgehölze kom- plett geräumt, wie Crataegus monogyna, Prunus spinosa, Sambucus, Viburnum opulus. Es wurde aber auch weniger produziert. Verlierer: Ribes aureum),
  • Autochthone/gebietsheimische Gehölze: mangelhaft (Nachfrage etwas ansteigend, gemessen am Gesamtvolumen ist der Marktanteil aber noch gering).

Ansteigende Nachfrage nach hochwertiger Freilandware

Ansteigend sei auch die Nachfrage nach hochwertigen Gehölzen im Bereich Gartencenter, Pflanzemärkte und Einzelhandelsbetriebe. Containerpflanzen werden in allen Bereichen immer wichtiger (witterungsbedingt, unabhängiger). Beliebt seien besonders blühende und attraktive Pflanzen. Der Verkauf verlagere sich in den Bereichen in die Sommermonate.

Im GaLaBau wurde durch die anhaltende Kälte erst spät abgesetzt. Anfangs waren durch Frost im Boden keine Komplettlieferungen möglich, so das Fazit. Durch die schnell ansteigenden Temperaturen und anhaltende Trockenheit fand die Freilandsaison ein frühes Ende.

Der LV Schleswig-Holstein sieht in Sachen Grün großen Nachholbedarf im öffentlichen Bereich. Dennoch gewinne es in den Kommunen zunehmend an Bedeutung. Die Nachfrage nach Klimabäumen wie Acer campestre und Liquidambar steige. Ausgleichsflächen seien wichtig.

Austausch zwischen Baumschulen immer wichtiger

Immer wichtiger werde auch der Austausch zwischen den Baumschulen. Durch die Spezialisierungen der Betriebe könne so eine Komplettierung der Aufträge gewährleistet werden.

Die Exporte in den Osten, vor allem nach Russland, seien weiterhin schwierig. In Polen und den angrenzenden Ländern steige der Bedarf besonders nach Jungpflanzen. Mit der Schweiz seien gute Geschäfte zu machen. In Skandinavien begann der Verkauf erst sehr spät, dadurch Einbußen hingenommen werden.

Im Vergleich zu 2017 habe es keinen weiteren Preisverfall gegeben. Bei den Endverkaufsgehölzen/hochwertigen Gehölzen konnte zum Frühjahrsende ein leichter Preisanstieg erzielt werden, so der Landesverband.

„Bessere Preise“ durch eine gute Nachfrage erwartet Schleswig-Holstein auch in den Sommermonaten. Durch den Nachholbedarf und den geringeren Beständen in vielen Bereichen werde schon früh auf die neue Produktion zugegriffen.

Sachsen: GaLaBau und Ausschreibungen liefen gar nicht

Sächsische Betriebe bewerten sowohl die Mengen als auch die Preise mit einer Drei. Insgesamt wäre der Zeitraum für das Geschäft und der Auslieferungszeitraum sehr kurz gewesen, so die Angaben des Landesverbandes Sachsen im BdB auf Nachfrage.

Die Produkt-Noten im Detail:

  • Rosen: gut (Renner: Edelrosen im Container, Verlierer: Bodendecker),
  • Laubgehölze: gut,
  • Immergrüne und Koniferen: befriedigend (Verlierer: Hecken),
  • Obstgehölze: gut (Renner: Säulen- und Wildobst, Verlierer: Hochstämme),
  • Landschafts- und Wildgehölze: gut,
  • Autochthone/gebietsheimische Gehölze: befriedigend (schlechte Preise).

Geschäft mit Gartencentern lief zufriedenstellend

Das Geschäft mit Gartencentern, Pflanzenmärkten und Einzelhandelsbetrieben beurteilen die Baumschulen mit einer Zwei bis Drei. Ebenfalls in dem Bereich liegt das Geschäft mit anderen Baumschulen.

Viel schlechter stehen hingegen die Absätze an den Garten- und Landschaftsbau sowie an Kommunen da. Sie wurden mit einer Vier bis Fünf eingeschätzt.

Im Sommer soll es nun wieder aufwärts gehen. Die Betriebe sehen einem „guten“ Großhandelsgeschäft entgegen. 20 Prozent der Umsätze werden zu dieser Jahreszeit gemacht (Herbst: 20 Prozent, Frühjahr: 60 Prozent).

Newsletter