Öffentliche Meinung durch grobe Information – Ein Kommentar von Fachredakteur Christian Mannsbart

28.06.2018

Inwieweit folgt die Diskussion um Pflanzenschutz noch logischen Argumenten

Das Thema Pflanzenschutz ist emotional aufgeladen. Nicht erst seit der Diskussion um Glyphosat. Ein aktuell vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig verhandelter Fall wirft die Frage auf: Wie viel Transparenz verträgt der Weg eines Pflanzenschutzmittels von der Entwicklung bis zur Marktreife? Ein Kommentar von Fachredakteur Christian Mannsbart.

Umweltinstitut erfragt Anzahl der Zulassungsanträge vom BVL

Lediglich eine „grobe“ Information, wie es die Rechtsanwältin Dr. Michéle John ausdrückte, wollte das Umweltinstitut München vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vor rund zwei Jahren erhalten. Nämlich die „genaue“ Anzahl von laufenden Zulassungsanträgen für Pflanzenschutzmittel auf Basis der Wirkstoffe Cyantraniliprol und Flupyradifuron.

Für das BVL war diese Anfrage damals zu detailliert. Die Behörde wies sie mit der Begründung ab, Betriebsgeheimnisse der Pflanzenschutzmittelproduzenten würden so ans Licht kommen. Einspruch Euer Ehren: Eine Zahl alleine macht das sprichwörtliche Kraut nicht fett. Schließlich ist es klar, dass bei zugelassenen Wirkstoffen auch entsprechende Anträge für den Markteintritt von Pflanzenschutzmitteln laufen.

Was will das Umweltinstitut erreichen?

Außerdem ist noch gar nicht gesagt, dass die angemeldeten Produkte auch die Marktreife erreichen. Die Zahl der Zulassungsanträge allein verkörpert somit, wie vom Kläger dargestellt, wirklich nur eine grobe Information, aus der auch Mitbewerber am Markt kaum Maßnahmen ableiten können. Zumal das Umweltinstitut nicht einmal den Namen des Produkts noch den Hersteller wissen wollte.

Hier drängt sich allerdings die Frage auf: Was will das Umweltinstitut mit einer bloßen Zahl anfangen? Denn auch hier greift die grundlegende Betrachtung, dass bei zugelassenen Wirkstoffen natürlich auch Produkte durch die Pipelines der Hersteller auf den Markt rutschen.

„Information für die interessierte Öffentlichkeit“

„Diese Informationen sind für die interessierte Öffentlichkeit bestimmt und stellen einen Mehrwert für den umweltbewussten Umgang mit dem Thema Pflanzenschutz dar. Sie tragen zur öffentlichen Debatte bei“, erklärte Karl Bär, Referent für Agrar- und Handelspolitik beim Umweltinstitut München.

Soweit so gut und richtig: An einem Grundsatz darf nicht gerüttelt werden – Informationen, die für das gesundheitliche Wohl jedes einzelnen Bürgers und auch für die Umwelt von Bedeutung sein könnten, müssen offengelegt werden. Transparenz steht den Pflanzenschutzmittelherstellern nicht erst seit der Debatte um Glyphosat gut zu Gesicht. Und diese schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

 

Diskussion um Pflanzenschutz: Greift Logik heute noch?

Krisenkommunikation fängt eben an, wenn die Krise noch gar nicht da ist. So entziehen Unternehmen unerwünschten Mitrednern wie NGOs, Medien und Wutbürgern die Argumentationsgrundlage.

Doch dass derartige Logik in der heutigen Gesellschaft zunehmend nicht mehr funktioniert, zeigt die Tatsache, dass ein ganzer juristischer Apparat in Bewegung gesetzt wird, um eine kaum aussagekräftige Information von einer staatlichen Behörde zu erhalten. Zuviel Detailliertheit und Transparenz ermüdet.

„Grobe“ Informationen werden von den einschlägigen Boulevardmedien gerne aufgegriffen und aufgebläht. Denn derartige Häppchen sind für die bequeme Konsumgesellschaft leicht wiederzukäuen.

Aber differenzierte Betrachtung kostet Zeit. Und die will sich kein Teil der interessierten Öffentlichkeit nehmen, zu der nicht nur Medien, „Wutbürger“ und NGOs zählen, sondern auch konkurrierende Unternehmen, Lobbyisten und Politik.

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