Pflanzenschutzmittel: Rückstände vor Ort mit Biofiltern abbauen

20.02.2018

Im Biofilter lassen sich Flüssigkeiten mit Pflanzenschutzmittel-Resten kostengünstig reinigen. Diesen können Gärtner selbst bauen oder fertig kaufen. Für konzentrierte Präparate eignet sich dieses Verfahren nicht. Von Dr. Heinrich Dreßler

Gewächshausbetriebe: „Kanalauflage“ NW468 nicht leicht umzusetzen

Pflanzenschutzmittel Juergen Faelchle
Mikroorganismen in Biofiltern besitzen die Fähigkeit, Pflanzenschutzmittelrückstände zu beseitigen. Foto: Jürgen Fälchle / Fotolia

Michael Stuch von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wies während des Topfpflanzentages 2018 im Versuchszentrum Gartenbau in Straelen darauf hin, dass Spritzgeräte sachgerecht zu reinigen sind. Reste von Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht in Gewässer gelangen. Viele Präparate haben die „Kanalauflage“ NW468, die den direkten und indirekten Eintrag von Wirkstoffen in Gewässer verbietet. Die Empfehlung, Brühereste in der Verdünnung eins zu zehn auf geeigneten Flächen ohne Punkteinträge auszubringen, ist nicht immer umsetzbar, zum Beispiel bei reinen Gewächshausbetrieben.

Biofilter kostengünstige Möglichkeit, um Brühreste zu reinigen

Stuch empfahl für diese Fälle einen Biofilter, den der Gärtner selber bauen oder fertig kaufen kann. Das von Stuch vorgestellte Eigenbau-Modell ist eine belgische Entwicklung. Die Brühereste kommen in einen Sammeltank und werden nach und nach über dem Filter verrieselt. Im Filtersubstrat bauen Mikroorganismen die Wirkstoffe ab. Für konzentrierte Präparate eignet sich dieses Verfahren nicht, wohl aber für Reinigungsflüssigkeiten von Verpackungen, Filtern und Schutzanzügen.

Als Behälter für das Filtermaterial empfahl Stuch IBC-Container (Tanks in einer Gitterbox). Der Filter kann aus drei Containern als Turm oder in Reihe plus ein bis zwei bepflanzten Containern bestehen. Für die Befüllung eignet sich Landerde von Kulturflächen, gemischt mit Holzhackschnitzeln, Kokoschips, Stroh oder Torf. Die Filter sind etwa acht Jahre nutzbar, gegebenenfalls ist Substrat nachzufüllen. Den Durchsatz gab Stuch mit etwa 30 bis 50 Liter pro Tag an. Der Filter darf nicht austrocknen.

Phytobac: Kunststoffwanne mit Substrat und Puffertank

Eine Alternative zum Eigenbau ist das Komplett-System „Phytobac“, das Hans-Joachim Duch vorstellte. Der langjährige Bayer-Mitarbeiter ist heute freiberuflicher landwirtschaftlicher Berater. Hersteller des Systems ist der niederländische Kunststoffverarbeiter Beutech. Es besteht aus einer überdachten, wasserdichten, mit Substrat befüllten Kunststoffwanne und einem Puffertank.

Die wirkstoffhaltige Flüssigkeit wird über dem Substrat verrieselt. Dieses besteht aus Ackerboden plus ein bis zwei Ballen Strohhäcksel als Kohlenstoffquelle für die Mikroorganismen. Das System ist geschlossen – das zugeführte Wasser verdunstet, die Wirkstoffe werden von den Mikroorganismen im Substrat abgebaut. Die Überdachung verhindert den Eintrag von Regenwasser. Sie ist UV-durchlässig, da die Strahlung ebenfalls zum Wirkstoff-Abbau beiträgt.

Eine fünf Quadratmeter große Phytobac-Wanne verdunstet laut Duch etwa 1.500 Liter pro Jahr, mit Bepflanzung sind es bis zu 3.000 Liter. Der Experte empfahl als Bepflanzung Quecke, da diese Gewächse viel Wasser verbrauchen.

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