Pflanzenwachstum mit LED-Licht beeinflussen

29.05.2018

Petunien zeigen unter Dunkelrotlicht starkes Streckungswachstum.

Das Pflanzenwachstum lässt sich auch mit Licht beeinflussen. Dr. Dirk Ludolph von der LVG Ahlem befasst sich mit der LED-Technologie, an die der Gartenbau Erwartungen in Bezug auf Streckungswachstum, Ausfärbung und Inhaltsstoffe hat. Fachredakteur Dr. Heinrich Dressler fasst die Erkenntnisse zusammen.

Effekte: Photosynthese und Photo­periode nicht klar trennbar

Bei den Effekten kann man nicht klar zwischen Photosynthese und Photo­periode trennen, sagt Ludolph. Bei Versuchen in Ahlem mit Topfpflanzen (Poinsettien, Begonien) haben die Pflanzen in den LED-Varianten gegenüber den Varianten mit Natrium-Hochdruckdampflampen kein bes­seres Wachstum gezeigt. Effekte in anderen Versuchen seien zum Teil durch eine höhere Lichtintensität zu erklären. Spezifische photosynthe­tische Wirkungen gebe es nicht, so Ludolph weiter.

Da die LED-Module wenig Wärme ­abstrahlen, kann man sie nahe am Bestand platzieren. Vorteile der LED sind die Energieeffizienz und die spezifische Spektralwirkung, so Ludolph. Kulturtechnisch interessant sind Weiß (Mischlicht), Blau (440 nm), Hellrot (dark red, 660 nm) und Dunkelrot (far red, 730 nm). Blaulicht fördert eher das Streckungswachstum, Hellrotlicht hemmt es überwiegend und Dunkelrotlicht fördert das Streckungswachstum stark, sagte Ludolph.

LED: Dunkelrotes Licht für Langtagpflanzen notwendig

Dunkelrot ist für Langtagpflanzen notwendig, für Kurztagpflanzen (wie Petunien, Calibrachoa und Poinsettien) nicht. Petunien zeigen unter Dunkelrotlicht starkes Streckungswachstum, unter Hellrotlicht wachsen sie sehr kompakt. Blaulicht förderte die Streckung leicht. Bei Hedera sorgte Hellrotlicht für kürzere Internodien und kürzere Triebe. Bromelien zeigten unter Blaulicht eine stärker ausgeprägte rote Laubfärbung, bei Erdbeeren waren die Blütenstiele stärker gestreckt.

Bei Poinsettien förderte Dunkelrotlicht die Streckung – eventuell nutzbar bei der Produktion von Stämmchen. Auch in der Tulpentreiberei können längere Stiele durch Dunkelrotlicht-Gaben von Vorteil sein. Poinsettien waren nach Hellrotlicht-Gabe zwischen 17.00 Uhr und 17.30 Uhr kompakter („End-of-day-Effekt“). Eventuell lässt sich bei Poinsettien ein Teil der Hemmstoffe einsparen – ganz ohne werden sie oft zu breit, sagte Ludolph. Zum Beispiel könne man zwei Hemmstoffgaben zum Kulturstart mit einer einstündigen Hellrot-Belichtung ab Sonnenuntergang kombinieren.

 

Bei Chrysanthemen und anderen Sommerkulturen habe eine LED-­Belichtung keinen Einfluss auf das Wachstum, da im Sommer für LED-­Effekte zu viel natürliche Einstrahlung herrsche. Sinnvoll sei der LED-Einsatz vor allem im Herbst und im Frühjahr.

Insgesamt bieten LED nach Ludolphs Aussage vielfältige Steuerungsmöglichkeiten. Die Technik sei ausgereift, die Lichtausbeute gut. Wegen der notwendigen Investitionen lohne sich diese Technologie aber eher für spezialisierte Betriebe, meinte Ludolph. Zu achten sei darauf, welches Spektrum eine LED-Lampe tatsächlich ­abgibt, weil davon der Einfluss auf
die Pflanzen abhängt. Einfache „Baumarkt“-Lampen enthalten meist eine blaue LED plus Weißfilter, teurere Spezial-Lampen enthalten zwei bis drei LED und bieten damit ein breiteres Spektrum.

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