Poinsettiensaison 2017 mit Hürden

06.02.2018

„In diesem Jahr hätte mancher Gärtner vielleicht lieber Wasserbüffel gezüchtet und Reisanbau betrieben.“ Mit leichtem Galgenhumor berichtet Josef Baumann, Beratungsring Hannover, über die diesjährige Poinsettiensaison. Von Fachjournalistin Katrin Klawitter.

Denn die Saison hatte es, wie Baumann im Rahmen des diesjährigen Ahlemer Poinsettennachmittags ausführte, vor allem wettermäßig in sich: Prägend waren in den Hauptproduktionswochen Regen und fehlende Einstrahlung.

Hauptwachstumszeit für Poinsettien war zu kühl

Poinsettie
Ganz deutlich überwiegt bei Poinsettien im Absatz die Farbe Rot.

Das bestätigten auch Daten, die Dr. Dirk Ludolph von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Ahlem heranzog: Die Durchschnittstemperaturen in dieser Poinsettiensaison waren durchgehend etwas kühler als in den Vorjahren, vor allem in den Hauptwachstumsmonaten Juli bis September.

In Ahlem erhielten die Sorten so im Schnitt 20,5 Grad in den Langtagswochen, damit zwei bis drei Grad weniger als üblich – und blieben tendenziell durch alle Sorten hindurch kleiner als sonst. Dazu kam ein Sommer, der von der Einstrahlung her eigentlich gar nicht so recht einer war – bis hinein in einen recht einstrahlungsarmen September.

Viele Sorten induzierten früher

Da niedrigere Temperaturen zu einer längeren kritischen Tageslänge führen, induzierten viele Sorten früher, die Sortenunterschiede verwischten – und bereits drei bis vier Wochen vor dem Poinsettientag in Ahlem am Nikolaustag waren einige späte Sorten schon verkaufsfertig. Die frühen Sorten wie ‘Ouvertüre Dark Red’ erreichten die Verkaufsreife schon am 6. November, die eher späte Sorte ‘Infinity Red’ am 10. November.

Zudem traten vielfach Pflanzenschutzprobleme wie Botrytis vor allem im letzten Kulturdrittel sowie Pythium und Phytophthora auf, beide Pilze waren weiter verbreitet als in anderen Jahren, so Baumann.

Widrige Witterung: Poinsettien mit weniger Hemmstoffbedarf

Einen kleinen „Vorteil“ hatte die Witterung: Die Poinsettien hatten insgesamt in diesem Jahr weniger Hemmstoffbedarf – allerdings blieben Pflanzen bei Produzenten, die sich nicht darauf eingestellt hatten und wie gehabt hemmten, dann auch kleiner. Trotz aller Produktionshürden mit einer schwierigeren Steuerbarkeit von Bewässerung und Düngung hätten sich die Pflanzenqualitäten in diesem Jahr laut Baumann dann doch recht gut gezeigt.

Ungewöhnlich: In einigen Betrieben tauchte in diesem Jahr Bemisia-Befall ab Oktober auf und war dann schwer in den Griff zu bekommen. Ähnliche Probleme verzeichneten Betriebe mit Spinnmilben oder auch Blattläusen. Einige Partien eines großen Lieferanten kämpften zudem schon von Anfang an mit Bewurzelungs- und Anwachsproblemen, zeigten auch später noch einen schwächeren Wuchs. Die Vermutung: Zu viel Hemmstoffanwendung in den Mutterpflanzen.

Späte Nachfrage nach Poinsettien

Problem der Vermarktung war in diesem Jahr, dass viele Sorten schon früh fertig waren – der freie Markt aber erst spät nach Poinsettien verlangte, später als in den Vorjahren.

Und so hätten sich dann schon Totensonntag viele Gärtner angesichts des zögerlichen Absatzes recht „nervös“ gezeigt und begonnen, die Preise zu reduzieren. „Poinsettien haben in der Absatzkurve ihr Optimum überschritten“, warnte Baumann dann auch in Ahlem. Gerade Produzenten ohne ausreichend Großabnehmer sollten sich genau überlegen, welche Mengen und Sorten sie in Zukunft anbauen wollen. Ganz deutlich überwiegt bei Poinsettien im Absatz die Farbe Rot, wusste Ludolph dazu zu berichten. Während auch bei weißen Sorten ein leichter Anstieg zu verzeichnen war, nahm der Anteil bunter, also andersfarbiger Sorten weiter ab.

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

 

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