Produktion von Weihnachtsbäumen im Container

24.09.2018

Weihnachtsbäume im Container sind in der Baumschule Hans Reinke eine relativ neue Kultur. Deutliche Flächenausweitungen erlaubten dort einen umfangreichen Düngeversuch, durchgeführt vom Gartenbauzentrum in Ellerhoop. Von Hendrik Averdieck, Dr. Andreas Wrede, Thorsten Ufer (LWK Schleswig-Holstein, Gartenbauzentrum Ellerhoop).

Versuchsanlage im Gartenbauzentrum Ellerhoop zur Prüfung, ob eine Aufnahme von Nährstoffen über die Nadel von Abies nordmanniana möglich ist. Die Substratoberfläche ist komplett mit Folie versiegelt. Foto: Averdieck.

Produktion von Weihnachtsbäumen mit Herkunftsgarantie

Die Baumschule Hans Reinke in Rellingen, inmitten des Pinneberger Baumschulgebiets, hat bereits vor vielen Jahren die Freilandproduktion von Gehölzen eingestellt und sich vollständig auf die Produktion von Topf- und Containerpflanzen spezialisiert. Die Aussaat von Forst- und Landschaftsgehölzen erfolgt in QuickPot-Platten. Für extremere Standorte im Forst, bei Rekultivierungsmaßnahmen und zur schnelleren Begrünung von Hochlagen im Waldbau ist das Sortiment auch im durchwurzelungsfähigen, abbaubaren Weichwandcontainer erhältlich. Darüber hinaus produziert der Betrieb ein breites Sortiment an Heckenpflanzen und Ziergehölzen im Container.

Eine recht neue Kultur für den Betrieb ist die Produktion von Weihnachtsbäumen mit Herkunftsgarantie in Töpfen und Containern. Neben der Produktion der Weihnachtsbaumjungpflanzen in QuickPot24-Platten und 10,5er- Töpfen werden sie auch in 3-Liter-, 5-Liter-, 10-Liter- und größeren Containern angeboten. Durch die deutliche Flächenausweitung für die Produktion in diesem Bereich ergab sich die Möglichkeit, gezielte Düngungsversuche in dem Betrieb anzulegen.

Als Ausgangsware dienten Pflanzen, die im Herbst 2016 in 10-Liter- und 15-Liter-Container getopft worden waren und mit zwei Gramm pro Liter eines umhüllten Depotdüngers mit einer Laufzeit von acht bis neun Monaten bevorratet worden waren, wie es bei einer Herbsttopfung üblich ist.

Versuchsanordnung: sechs unterschiedliche Düngevarianten

Im Frühjahr 2017 wurden dann die Versuche mit sechs unterschiedlichen Düngevarianten angelegt. Der Versuch konnte mit den genannten Düngevarianten bei folgenden Baumarten des Betriebs durchgeführt werden: Abies nordmanniana und Picea pungens glauca, getopft in 10-Liter-Containern, sowie Picea omorika, getopft in 15-Liter-Containern.

Die Düngung erfolgte durch Aufstreuen der Produkte auf die Substratoberfläche der Container. Bei den länger wirkenden Produkten (Nutricote T70, HortoBalance Top 6–7M, Haifa Topdress 4–5M) erfolgte die Düngung einmalig am 21. März 2017. Bei den Produkten mit kürzerer Wirkungsdauer (Triabon, Tardit Top) erfolgte die Düngung mit jeweils halber Aufwandmenge am 21. März und 27. Juni 2017.

Alle Pflanzen erhielten über den auf die Substratoberfläche aufgelegten Dünger insgesamt die gleiche Stickstoffmenge von 600 mg/l N im Jahr. Zusätzlichen Stickstoff erhielten die Pflanzen, die eine Blattdüngung mit dem flüssigen Harnstoffprodukt Tardit MU Liquid 28N bekommen hatten. Der flüssige Harnstoffdünger wurde mit 30 l/ha bei 500 Liter Wasseraufwand pro Hektar über die Pflanzen ausgebracht. Die Spritzungen erfolgten am 2. Juni, 27. Juni und 11. Juli 2017. Da es nach der Spritzung am 11. Juli einen stärkeren Regenschauer gegeben hatte, wurde eine weitere Behandlung am 14. Juli durchgeführt.

Düngung: Weihnachtsbäume reagieren über Nadelfarbe

Die Pflanzen reagierten über die Nadelfarbe recht schnell auf die unterschiedliche Düngung. Während bei Picea omorika die Farb­unterschiede im Juni noch schwach ausgeprägt waren, zeigten Abies nordmanniana und Picea pungens glauca bereits deutliche Unterschiede in der Grünfärbung der Nadeln. Ende August waren weiterhin deutliche Unterschiede in der Nadelfärbung vorhanden.

Um diese zwischen den Düngevarianten vergleichen zu können, wurde die Nadelfärbung jeder Düngeparzelle nach einem 9-stufige Bewertungsschema beurteilt, wobei die Note 1 für eine sehr helle beziehungsweise hellgrüne Nadelfarbe steht und die Note 9 für eine sehr dunkelgrüne/ intensiv blaugrüne Nadelfarbe. Im Fachjargon des Versuchswesens wird dies als Boniturschema oder Vergeben von Boniturnoten bezeichnet.

Bei der Serbischen Fichte fielen außerdem Unterschiede in der Intensität des Triebwachstums auf, die daher zusätzlich erfasst wurden. Bei den Nordmanntannen und den Blauen Stechfichten waren sehr deutliche Unterschiede in der Intensität der Grünfärbung der Nadeln vorhanden. Die dunkelste Nadelfärbung bei den Nordmanntannen war in den Düngeparzellen mit der Kombination von HortoBalance Top 6–7M und Spritzungen mit Tardit MU Liquid 28N sowie bei Nutricote T70 vorhanden.

Dunkle Nadelfarbe durch Blattdüngung

Da die Horto-Balance Top-Variante ohne Blattdüngung vergleichsweise helle Nadeln aufwies, ist die dunkle Nadelfärbung hauptsächlich den Blattdüngungsmaßnahmen zuzuschreiben. Auch bei den Blauen Stechfichten zeigte sich ein deutlicher Effekt der Spritzungen mit Tardit MU Liquid 28N. Neben den Pflanzen der Nutricote T70-Variante waren die Pflanzen der zusätzlich gespritzten Parzellen diejenigen mit der intensivsten blaugrünen Färbung. Die drittbeste Ausfärbung zeigte bei beiden Arten die Düngung mit Triabon.

Die stärksten Aufhellungen waren in den Parzellen mit HortoBalance Top 6–7M (Soloanwendung) und Tardit Top vorhanden. Die mit Haifa Topdress 4–5M gedüngten Pflanzen bewegten sich im Mittelfeld und zeigten mittelgrüne Nadeln. Bei den Serbischen Fichten war der Effekt der Blattspritzungen mit Tardit MU Liquid 28N etwas weniger stark ausgeprägt. In den Parzellen mit Nutricote T70 und Triabon war der Neuaustrieb etwas stärker und die Nadelfarbe etwas dunkler als in der Parzelle mit einer Kombination aus HortoBalance Top 6–7M und Tardit MU Liquid 28N. Schlechtere Ergebnisse wurden auch hier mit Haifa Topdress 4–5M, Tardit Top und HortoBalance Top 6–7M (Soloanwendung) erzielt.

Nordmanntannne: Stärkster Zuwachs durch drei Düngemittel

Bei den Nordmanntannen erfolgte der stärkste Zuwachs bei Düngung mit Nutricote T70, HortoBalance Top 6–7M und Haifa Topdress 4–5M. Die Spritzungen mit Tardit MU Liquid 28N hatten im Unterschied zur Nadelfärbung keinen Effekt auf den Zuwachs des Leittriebs. Den geringsten Zuwachs zeigten die zu zwei Terminen mit Triabon und Tardit Top gedüngten Pflanzen. Bei der kurzen Triebwachstumsphase der Nordmanntannen im Zeitraum Mai–Juni waren die mit voller Aufwandmenge zu einem Termin gedüngten Produkte offensichtlich wegen der höheren Nährstoffverfügbarkeit im Vorteil.

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