Salat – frisch aus der Stadt

13.03.2018

Spannende grüne Zukunftsszenarien für den städtischen Raum brachte Prof. Dr. Andreas Ulbrich von der Hochschule (HS) Osnabrück mit zum diesjährigen Ahlemer Forum. Im Mittelpunkt dieser Konzepte steht die Pflanzenproduktion direkt in Ballungsräumen: Gemüse, das beispielsweise vertikal zwischen Wohngebäuden wächst oder in schwimmenden Gewächshäusern im Hamburger Hafen. Von Fachredakteurin Katrin Klawitter

Wachsen lassen, wo man kauft: „My smart Green Supermarket“

Salat aus der Stadt
Pflanzenproduktion direkt in Ballungsräumen: Salat – frisch aus der Stadt

Als ein denkbares Modell präsentierte Ulbrich in Ahlem ein Einkaufscenter, auf dessen Dach Gewächshäuser Platz finden. Genannt „my smart Green Supermarket“, würden in dieser Vision gärtnerische Produktionssysteme integrativer Teil des Konzeptes sein. „Man kann so den Einkaufs- und den Produktionsort verbinden – auch stofflich, durch Kreisläufe, beispielsweise das in den Einkaufsstätten entstehende CO2 für die Pflanzenproduktion nutzen“, so der Experte. So ließe sich die Wahrnehmung des Verbrauchers für die gartenbauliche Produktion wieder mehr und transparent vor Augen führen, zudem ein wesentlicher Beitrag zu einem höheren Selbstversorgungsgrad leisten, ist er überzeugt.

Das Produktionswissen bei Gemüse sei mittlerweile, auch durch die LED-Beleuchtungs-Spektren, so ausgefeilt, dass sich künftig für jeweilig andere Abnehmeransprüche und Kundengruppen unterschiedliche „personalisierte“ Produkte erzeugen ließen – wie beispielsweise geschmacklich besonders gute, bissfeste Tomaten oder Gemüse mit einem besonders hohen Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe nach Wunsch.

Natürlich werde die urbane Produktion nicht ausreichen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken, schränkte Ulbrich auf Anfrage aus dem Publikum ein. Aber durch Zukauf von Halbfertig- und Fertigware ließe sich das kompensieren, sodass dem Kunden immer direkt vor Ort frisch produzierte Ware angeboten werden könne. „Dafür wird auch weiterhin die Produktion außerhalb, im periurbanen Raum, entscheidend sein, um hier nachzuliefern“, so Ulbrich.

Schwimmende Gewächshäuser und grüne Finger

Ganz konkret hatte Ulbrich ein neues Forschungsprojekt vorzuweisen: Gemeinsam mit der Stadt Hamburg und anderen Akteuren arbeiten die Osnabrücker Wissenschaftler an schwimmenden Indoorfarmen, einer Art Pontons, zur Salatproduktion. Das Projekt mit der sperrigen Bezeichnung „Regionale Nahrungsmittelerzeugung in Metropolregionen mit angrenzenden Gewässern“ soll Teil des Projektes „Vision Agrarsysteme der Zukunft“ des Bundesforschungsministeriums werden und wartet gerade auf die Bewilligung des Forschungsantrages. Ein weiteres Forschungsprojekt für die Stadt Osnabrück wurde bereits bewilligt: Hier geht es darum, die „grünen Finger“ der Stadt auch angesichts des massiv wachsenden Wohnraumbedarfs sicherzustellen. Und zwar so, dass mehr Menschen in der Stadt wohnen können, trotzdem eine Gemüseproduktion in der Stadt und ausreichend Grün zum Wohlfühlen Platz finden. Hierbei spielt der Begriff „Klimaresilienz“ eine zentrale Rolle, der beispielsweise Maßnahmen zur Treibgasreduktion und zur Temperaturregulierung notwendig macht.

Bessere Kräuterqualität durch LED-Lichtblitze

Welche Bedeutung dem Thema zugesprochen wird, zeigt auch, dass die HS Osnabrück gerade ein neues Forschungszentrum „Agrarsysteme der Zukunft“ errichtet. In der Versuchsarbeit der Osnabrücker geht es um ganz praxisorientierte Arbeit: So testen die Wissenschaftler beispielsweise gerade gemeinsam mit Papenburger Gemüsebaubetrieben, wie sich die Qualität von Kräutern in der Winterproduktion erhöhen lässt. Hier gibt es bereits erste vielversprechende Ergebnisse: Demnach konnten LED-Lichtblitze, also als gepulstes Licht, bei Basilikum und Petersilie die Qualität deutlich erhöhen. Gemeinsam arbeiten die Versuchsbeteiligten an einem praxiseffizienten System.

Ein weiteres Projekt namens „Petra“ beschäftigt sich mit der Entwicklung von Qualitätstomaten für den nachhaltigen regionalen Anbau. Ebenfalls gemeinsam mit Papenburger Gemüsebaubetrieben setzt man hier die Priorität auf Eigenschaften wie Geschmack und Biss als oberste Qualitätsziele und weniger auf Lagerfähigkeit, da diese für den regionalen Anbau eine geringere Rolle spielt.

Fazit: Themenfelder des urbanen Gemüseanbaus nicht anderen überlassen

Zwar lässt es sich laut Andreas Ulbrich nicht abschätzen, welche Produktionsmengen für den urbanen Gemüseanbau in Zukunft erforderlich sein werden. Das ist für ihn aber auch nicht entscheidend: „Viel wichtiger ist: Wir sollten diese Themenfelder nicht anderen überlassen.“

Bisher seien solche Projekte oft daran gescheitert, dass den Durchführenden das gartenbauliche Wissen gefehlt habe. So habe sich beispielsweise ein bekannter Arzneimittelhersteller an die HS Osnabrück gewandt, nachdem indoor produzierte Arzneipflanzen zu geringe Drogengehalte aufgewiesen hatten. „Für solche Projekte ist das Know-how des Gartenbaus gefragt“, ermunterte Ulbrich in Ahlem.

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

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