Stecklinge: Bewurzelt, aber ohne Substrat

15.06.2018

Stecklinge: Bewurzelt, aber ohne Substrat

BU: Ein Gel schützt die im Mutterpflanzenbetrieb bewurzelten Basewell-Stecklinge in den AutoStix-Halterungen. Foto: Dümmen Orange

Mit „Basewell“ führt Dümmen Orange eine neue Art von Ausgangsmaterial aus vegetativer Vermehrung ein. Die bewurzelten Basewell-Stecklinge werden ohne Substrat kultiviert und ausgeliefert. Beim Transport schützt ein Gel die Wurzeln. Von Dr. Heinrich Dressler.

 

Basewell-Stecklinge im Mutterpflanzenbetrieb bewurzelt

Die Bewurzelung erfolgt im Mutterpflanzenbetrieb, von dort aus wird der Gärtner direkt beliefert. Er kann direkt in den Endtopf pflanzen. Die Stecklinge befinden sich in den von Visser Horti Systems entwickelten, biologisch abbaubaren AutoStix-Halterungen im Streifen mit 51 oder 34 Stecklingen oder einzeln.

 

Dr. Perry Wismans, Innovationsleiter Zierpflanzen bei Dümmen Orange, nannte im Gespräch mit der TASPO die Kultur ohne Substrat und die Gel-Beschichtung als wichtigste Eigenschaften der Basewell-Stecklinge. Die Vorteile kommen nach Wismans’ Meinung vor allem in Betrieben zum Tragen, die die Stecklinge selber bewurzeln. Dieser komplexe Vorgang werde ausgelagert, der Bedarf an (oft knappen) Arbeitskräften sinke deutlich und die Vermehrungsflächen würden für andere Nutzungen frei. Als Hauptzielgruppe nannte Wismans deshalb die Käufer unbewurzelter Stecklinge, deren Anteil in Nordamerika viel höher sei als in Europa.

Substratfreie Bewurzelung mit Gel-Beschichtung

An der Idee der substratfreien Bewurzelung in Kombination mit einer Gel-Beschichtung arbeite Dümmen Orange schon seit mehreren Jahren, erklärte Wismans. Bei ersten Versuchen mit Einzelstecklingen habe sich das Verfahren als zu arbeits- und zeitaufwändig erwiesen, zum Beispiel weil das Gel antrocknen muss. Erst die AutoStix-Streifen hätten eine Automatisierung des Verfahrens mit Gel-Applikation ermöglicht. Die dafür notwendige, zusammen mit Visser entwickelte Maschine soll in diesem Sommer im Mutterpflanzenbetrieb in El Salvador in Betrieb gehen.

Die Gel-Beschichtung ist nach Auskunft von Wismans schon länger patentiert, für andere Schritte seien Patente angemeldet. Details des Bewurzelungsverfahrens wollte er noch nicht nennen. Das Gel diene aber nur dem Transport, da Anzuchtsubstrate aller Art nicht in die USA importiert werden dürfen. In Zukunft könnte das Gel auch als Trägersubstanz für wachstumsfördernde Substanzen dienen, kündigte er an.

 

Kommerzielle Produktion von Basewell-Stecklingen ab Herbst

Im Herbst 2018 startet laut Wismans die kommerzielle Produktion von Beet- und Balkonpflanzen in El Salvador, im Sommer 2019 soll der Betrieb in Guatemala mit Stauden folgen. Auch im Pelargonienbetrieb in Äthiopien will Dümmen Orange das Basewell-Verfahren einführen, zunächst für die USA und Kanada. Die Technologie könnte sich nach Ansicht von Wismans für alle vegetativ vermehrten Pflanzen eignen, zumindest nach einem „Feintuning“. So sind weitere AutoStix-Typen neben den zwei bestehenden Größen geplant.

Auf den diesjährigen Spring Trials in Kalifornien vom 15. bis 18. April wurde das Produkt erstmals vorgestellt. Im Herbst 2018 werden Probemengen in den USA ausgeliefert. In Europa will Dümmen Orange Basewell auf der IPM 2019 vorstellen und mit Testmengen starten, für 2020 sollen größere Stückzahlen zur Verfügung stehen.

Der Preis der Basewell-Stecklinge werde über dem für unbewurzelte Stecklinge liegen, aber voraussichtlich unter dem für bewurzelte Stecklinge in Substrat, erklärte Sonja Dümmen auf Anfrage. Das System sei nachhaltig, da man weder Torfsubstrate noch Kunststoffplatten zur Bewurzelung benötige.

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