Technik im Gartenbau: Energieeinsparung ein Topthema

03.04.2018

Vor welchen technischen Herausforderungen steht die Gartenbau-Branche gerade? Fachredakteur Lorenz Wieland fragte Thomas Koch, Vorsitzender des ZVG-Ausschusses Technik und Bauwesen im Gartenbau.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf im Bereich Technik im Gartenbau?

Technik Gewaechshaus
Das Thema nachhaltiger Energieeinsatz im Gartenbau ist nur eines der vielfältigen Themen, mit dem sich der ZVG-Ausschuss für Technik und Bauwesen befasst.

Viele Informationen über technische und kulturtechnische Fragen sind ja -noch- vorhanden. Doch schon heute stellt sich die Frage, wie kommen Sie zum Gärtner? Wie muss die Ausbildung angepasst werden, um zukünftige Gärtner besser zu schulen? Welche Rolle spielt die Beratung bei der Komplexität bei den technischen Herausforderungen, die für den einzelnen Gärtner kaum alleine zu stemmen sind?

Bei den technischen Herausforderungen wird das große Thema Energie und der sparsame und nachhaltige Einsatz sicher weiter eine große Rolle spielen. Arbeitskräftemangel und Kostensteigerungen werden die Prozesse der Automatisierung weiter beschleunigen. Die rechnergesteuerte Unterstützung in der Klimaführung muss kontinuierlich optimiert werden, um das Pflanzenwachstum und die Produktqualität weiter zu verbessern und den Umgang mit Ressourcen nachhaltig zu reduzieren.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wird eine Verlängerung des Bundesprogramms zur Steigerung der Energieeffizienz im Gartenbau und in der Landwirtschaft angekündigt. Wie stehen Sie dazu?

Wir begrüßen die Verlängerung des Programms. Im Gartenbau besteht eine große Investitionsbereitschaft in Energieeffizienz steigernde Maßnahmen. Dabei benötigt die Branche Unterstützung. Das Antragsvolumen des Programms ist weitestgehend ausgeschöpft, was für seinen großen Erfolg spricht.

Der Ausschuss steht dem Ministerium als Ansprechpartner für die inhaltliche Ausgestaltung und die Erarbeitung von allen verfügbaren energie- und ressourceneffizienzsteigernden Maßnahmen zur Verfügung.

Die fortschreitende Digitalisierung im Gartenbau war Thema der Lehrschau auf der IPM 2018. Wie stellt sich der Ausschuss dem Thema?

Seit letztem Jahr arbeiten wir intensiv an dem Thema Digitalisierung. Wir haben bereits mehrfach über die Themen diskutiert, einen Blick in Richtung Landwirtschaft geworfen und planen aktuell zur Digitalisierung im Gartenbau einen Workshop. Im Workshop sollen die Anforderungen der Praxis sowie die technische Realisierung diskutiert und auf einander abgestimmt werden.

Aber es ist ja nicht alles neu. Der Einsatz von digitaler Klimatechnik ist im Gewächshausbau bereits heute Standard mit großem Potenzial zur Weiterentwicklung intelligenter Gewächshaus-Managementsysteme. Feldroboter und Drohnen finden sie teilweise im Freilandanbau. Sie werden zur Unkrautbekämpfung, zum Pflanzenschutz, aber auch für Wachstumskontrollen oder für Bewässerungssteuerung eingesetzt. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und einige haben inzwischen Praxisreife erzielt. Dynamisch voran schreitet das Lernen mit Hilfe von multimedialen Lernanwendungen und die Online-Kommunikation.

Auch im Bereich der Betriebswirtschaft ist die Digitalisierung angekommen. Mit dem Betriebsgleich 4.0., wird den Unternehmen ein intelligentes, ansprechendes und einfaches Instrument zur Betriebsanalyse an die Hand gegeben, dass für jeden Gartenbauer zum Standardwerk werden sollte.

Das Thema Technik im Gartenbau ist sehr vielfältig. Gibt es Projekte aus der Ausschussarbeit, die man besonders hervorheben sollte?

Auf der ersten Sitzung des wieder neugegründeten Technikausschusses des ZVG im Jahr 2012 wurde über die Überarbeitung des KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft)-Berichts „Umweltschonende Bewässerungs- und Düngungssysteme im Gartenbau“ diskutiert. Nach unserer Einschätzung bestand dazu eine große Notwendigkeit und somit wurde ein entsprechendes KTBL-Projekt mit Unterstützung des ZVG vorangetrieben.

Als Abschluss konnte im Januar nach Erscheinen der neuen Bundesverordnung über „Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ das neue KTBL-Heft „Bewässerungs- und Düngungssysteme im Gartenbau – Wasserwirtschaftliche Anforderungen“ veröffentlicht werden.

Inwieweit arbeitet der Technikausschuss künftig mit dem KTBL zusammen?

Die Zusammenarbeit in Bezug auf die Geschäftsführung des TA durch das KTBL bleibt auch in Zukunft uneingeschränkt erhalten. Inwieweit der TA fachlich mit dem KTBL zusammenarbeiten wird, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden.

Die Überarbeitung der KTBL-Publikation zu den Bewässerungs- und Düngungssystemen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Projekte im TA vorgestellt werden und im weiteren Verlauf gemeinsam bearbeitet werden. Was in Zukunft dann auf den TA und das KTBL zukommt, wird sich zeigen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Wo sehen Sie Schwerpunkte in den kommenden Jahren?

Wir wünschen uns eine noch stärkere Beteiligung der Praxis. Diese würde die sehr gute Zusammenarbeit von Wirtschaft, Beratung und Wissenschaft noch weiter verbessern. Sorge macht uns der fehlende Nachwuchs. Ein Blick auf die Hochschulen zeigt, dass die Technikinstitute nicht mehr in der bekannten Stärke besetzt sind oder besetzt werden können. Wir sprechen von Gartenbau 4.0 und der Notwendigkeit zur technischen Weiterentwicklung und können dies fachlich nicht entsprechend begleiten. Hier sehe ich ein großes Defizit und dringenden Handlungsbedarf.

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