Topfpflanzen: Wachstum durch Klimastrategie steuern

11.05.2018

Passende Klimastrategien können das Wachstum in Topfpflanzenkulturen entscheidend beeinflussen. Fachredakteur Heinrich Dressler fasst die Erkenntnisse zusammen, die Gabriele Hack von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Versuchsanordnungen gesammelt hat.

Klimastrategien „Negativ-Diff“ und „Cool Morning/drop“

Die richtige Klimastrategie führt im Gewächshaus zum Erfolg

Bei „Negativ-Diff“ ist der Temperatur-Sollwert nachts höher als tagsüber (Beispiel: Heizung Tag/Nacht 14/17 °C, Lüftung Tag/Nacht 16/20 °C). Die Pflanzen wachsen dabei kompakter. Das seit den 1990er-Jahren angewendete Verfahren ist gut untersucht. Es eignet sich nach Hacks Aussage vor allem für die Wintermonate. Im Frühjahr kann die Einstrahlung tagsüber so hoch sein, dass das Verfahren nicht gut funktioniert – laut Hack ist es an 60 bis 80 Prozent der Kulturtage nicht sicher. Erforderlich sind ein dichtes Gewächshaus mit Energieschirmen und eine Zusatzbelichtung.

Bei „Cool Morning/drop“ wird der Temperatur-Sollwert zum Sonnenaufgang abgesenkt, zum Beispiel um 8 °C. Voraussetzung ist ein Klimacomputer. Das witterungsabhängige Verfahren ist nur im Frühjahr und im Herbst anwendbar, im Frühjahr nur an 30 bis 50 Prozent der Kulturtage. Die Pflanzen wachsen kompakter, bei gut isolierten Gewächshäusern ist das Verfahren energetisch günstig. Bei großen Abteilungen besteht das Problem, dass einzelne Sätze oder Kulturen unterschiedlich reagieren können, erklärt Hack.

Über 100 Gärtnereien wenden „Weihenstephaner Modell“ an

Bei dem „Weihenstephaner Modell“ werden Cool Morning und Warm Evening kombiniert, wobei die Cool-Morning-Phase kurz oder lang sein kann. In Bayern sollen über 100 Gärtnereien dieses Verfahren anwenden, sodass viele Praxiserfahrungen vorliegen. Die Pflanzen wachsen kompakter und es lassen sich 25 bis 40 Prozent Energie einsparen, so Hack. Das Verfahren ist witterungsabhängig und es kann eventuell Probleme mit der Luftfeuchte geben. Warm Evening kann nachts die Botrytis-Gefahr erhöhen. Außerdem gilt der optimale Einsatz von Warm Evening in der Praxis als kompliziert.

Trockenstress ist eine weitere Möglichkeit der Kultursteuerung, um kompaktere Pflanzen zu erzielen. Optimal für die Pflanzen ist eine Saugspannung von 40 bis 120 Hektopascal (hPa). Bei manchen Pflanzen zeigt Trockenstress erst bei hohen Saugspannungswerten Wirkung (Pelargonien über 200 hPa, Petunien über 105 hPa). Setzt der Kultivateur seine Pflanzen einem Trockenstress aus, ist anschließend eine gleichmäßige Bewässerung wichtig, da sonst Wachstumsunterschiede im Bestand auftreten. Insofern berge dieses Verfahren ein Risiko. Bei hoher Einstrahlung kann es zu Blattverbrennungen kommen. Auch seien hinsichtlich der Wiederbenetzung torfreduzierter Substrate noch Fragen offen, so Hack.

Neues Kultivieren von Topfpflanzen

„Het nieuwe telen“ (HNT, Neues Kultivieren) ist ein Konzept aus den Niederlanden, bei dem es um die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen auf Basis des Wertes von 2015/16 geht – jährlich sollen es zwei bis drei Prozent weniger CO₂ sein. Dies will man durch technische Innovationen und den Ersatz fossiler Brennstoffe erreichen. Die Wachstumsbedingungen werden auf der Basis von Verbrauchsbilanzen optimiert. Aus einer Evaluierung in Betrieben abgeleitete Rezepte sollen über den Klimacomputer umgesetzt werden.

Im Prinzip sei HNT eine Weiterführung des Zineg-Konzepts, aber mehr auf die Pflanze ausgerichtet, sagt Hack. Die Frage sei, wie sich HNT in Deutschland umsetzen lasse und wie hoch eventuelle Investitionen seien.

Hemmstoff-Einsparungen

Fazit: Durch eine Kombination von Sortenwahl, Temperatur- und Bewässerungsstrategien sind nennenswerte Hemmstoff-Einsparungen möglich, vor allem in spezialisierten Betrieben. Ein kompletter Verzicht auf Hemmstoffe ist nach Hacks Ansicht derzeit oft noch mit zu hohen Risiken beziehungsweise Investitionen verbunden und von daher nicht realisierbar.

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