Umfrage: Pflanzenschutz bei Kräutern im Winter

02.01.2018

Wie gestaltet sich der Pflanzenschutz in der Kräuter-Produktion im Winter? Gibt es Lücken bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, wo die Industrie/Gesetzgeber noch nachbessern könnte? Redakteurin Therese Backhaus-Cysyk fragte bei Kräuter-Produzenten nach.

Bio-Betrieb arbeitet mit kleinen, vorbeugenden Maßnahmen

Kräuter Pflanzenschutz
Eine optimierte Kulturführung, zu der auch Pflanzenschutz-Maßnahmen zählen, ist besonders nötig, wenn der Produktionsbetrieb viele verschiedene Arten (hier im Bild Minze) anbaut.

„Als Bio-Betrieb arbeiten wir mit vielen kleinen, vorbeugenden Maßnahmen“, zeigt André Segler von der Gärtnerei Blu-Blumen (Langenberg) auf. „Im Winter ist der Nützlingseinsatz manchmal schwierig, da die Temperaturen im Gewächshaus zu niedrig sind und die Nützlinge dann nicht mehr aktiv arbeiten.

Wichtig ist es aber, im Winter möglichst 100 Prozent schädlingsfrei zu sein und zu bleiben. Denn
sonst explodieren im Frühjahr, wenn es im Gewächshaus abrupt warm wird, die Schädlingspopulationen. Viele Kräuter zählen zu den Wirtspflanzen von Xylella. Somit beobachten wir dieses Thema sehr aufmerksam. Noch ist es kein Problem, aber man weiß ja nie.“

Kräuter im Winter mit Neudosan Neu und Spruzit Neu schützen

„Durch die kühleren Temperaturen im Winter gibt es weniger Probleme mit tierischen Schädlingen mit Ausnahme einiger Blattlausarten“, berichten Danny und Swen Rankers von Gartenbau Willi Rankers (Straelen). „Als Bioproduzent stehen uns zur Bekämpfung die beiden Kontaktmittel Neudosan Neu und Spruzit Neu zur Verfügung. Für das gut wirksame teilsystemische Neem Azaal benötigt man eine Mindesttemperatur von 15 Grad Celsius, die in den wenigsten unserer Abteilungen gegeben ist.

Unseren vorbeugenden, breit gefächerten Nützlingseinsatz mit diversen Raubmilben, Schlupfwespenarten und Florfliegenlarven setzen wir auch in den Wintermonaten fort. Die Entwicklung und Vitalität ist zwar bei kalten Temperaturen wesentlich eingeschränkt, aber erstens gilt dies auch für die meisten Schädlinge und zweitens ist beim ersten Anstieg der Temperaturen eine Grundpopulation im Bestand vorhanden, die dann sofort ihrer Arbeit‘ nachgehen kann.

Durch optimal auf die jeweilige Art abgestimmte Kulturführung wie beispielsweise Temperatur, Luftbewegung, Gießvorgänge und Düngung lassen sich bereits die meisten pilzlichen Krankheiten vorbeugend abwehren. Der Einsatz diverser Pflanzenstärkungsmittel übers Gießwasser ist ein weiterer Baustein für gesundes Pflanzenwachstum.

Probleme bereitet hauptsächlich der Echte Mehltau an diversen Kräuterarten, allen voran beim Salbei. Hier steht uns nur das Kontaktmittel Kumar mit dem Wirkstoff Kaliumhydrogencarbonat zur Verfügung. Auch hierbei müssen alle Befallsherde getroffen werden. Bei einem normalen Bestand ist das so gut wie unmöglich.

Als Bio-Kräuterproduzent stehen uns mehr oder weniger nur die vier oben genannten Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, von denen drei auch nur über den direkten Kontakt wirken“, erklären die Kräuterexperten. „Wir würden uns wünschen, dass auf dem Gebiet der natürlichen Bekämpfungsmöglichkeiten umfangreicher geforscht wird, in Unternehmen aber vor allem auch an Universitäten, Hochschulen und Versuchsanstalten. Es gibt sicherlich noch einige pflanzliche Wirkstoffe, die sich zur Abwehr von Schädlingen und pilzlichen Erregern nutzen lassen. Auch der große Bereich nützlicher Bakterien und Pilze ist wohl bei weitem noch nicht ausgeschöpft und wird zum Teil mit Anwendungsverboten in Deutschland ausgebremst.“

Pflanzenschutz: Erfolgreiche Kulturführung mit Neudosan

„Da wir unsere Topfkräuter nach den Bioland-Richtlinien produzieren, stellt sich die Frage nach Pflanzenschutzmaßnahmen nicht wirklich“, erklärt Monika Mulke von Mulke Topfkräuter/Gärtnerei Taunusblick (Wiesbaden).

 Hygiene sowie die richtige Sortenwahl und bei Problemen ein frühes Reagieren sind erforderlich für eine optimale und erfolgreiche Kulturführung, zu der natürlich die Belichtung, das Heizen und Lüften gehören. Auch wir wenden das bewährte Neudosan an.“

Extrem optimierte Kulturführung bei 240 Kräuter-Sorten

Auch das Bioland KräuterGut Dworschak-Fleischmann (Nürnberg) produziert Gemüse und Kräuter biologisch. Der Nützlingseinsatz ist Standard. „Bei bis zu 240 Kräuter-Sorten, rund 80 davon sind ständig im Anbau, geht das nur mit einer extrem optimierten Kulturführung“, unterstreicht Tanja Dworschak und weiß: „Vorbeugen ist besser als heilen.“ Wichtig sei es, gesund mit den Kulturen – die auf dem KräuterGut durchgehend belichtet werden – in den Winter zu gehen und sobald es im Frühjahr warm wird, ein „besonderes Augenmerk“ darauf zu richten.

Newsletter