Umstrukturierung im Zierpflanzensektor – Interview mit Frank Teuber

18.05.2018

„Wir stehen vor vielschichtigen Veränderungen“

Frank Teuber beobachtet die Umstrukturierung im Zierpflanzensektor aufmerksam. Foto: Marie Schröder

Mit Marketingmanager Frank Teuber verlässt ein brillanter Stratege, hellwacher Kopf und begnadeter Marketingexperte nach 22 Jahren das Blumenbüro Holland. Im Interview richtet er trotz seines Abschieds einen Blick nach vorn – in die Zukunft des Blumenbüros, des niederländischen Zierpflanzensektors und unserer Gesellschaft. Von Fachredakteurin Heike Hoppe.

Herr Teuber, 22 Jahre sind eine lange Zeit. Gab es Längen?

Sowohl meine holländischen Kollegen im Blumenbüro als auch die Manager von FloraHolland haben die Weitsicht, etwa alle fünf Jahre die Welt des internationalen Zierpflanzensektors und ihre Strategien zu überdenken. Das ist manchmal anstrengend, aber das macht auch frisch im Kopf und hält wach. Vor fünf Jahren gab es die „Diskussion 2020“ – es wurden kreative Entwürfe für eine zukünftige Branchen-Sicht entwickelt. Heute sind wir soweit, einige Ergebnisse dieses Vordenkens in eine konkrete Strategie umzusetzen.

Welches sind die zukünftigen Themenfelder für das Blumenbüro?

Es wurde eine sogenannte „Wachstum-Plattform“ für die generische Kommunikation bei Blumen und Pflanzen entwickelt. Sie bedient bestimmte Trends und erzählt Geschichten um sie herum neu. Und das in internationalen Kampagnen mit nationaler Interpretation für die Niederlande, Deutschland, Frankreich, England – die BBH-Schlüsselmärkte.

Die vier für Blumen und Pflanzen wichtigen Themen heißen „Health and Well-beeing“- also alles rund um das individuelle Wohlbefinden; „Interior“ – alles, was das Wohnumfeld verschönert; „Celebrate Seasons“ – jahreszeitliche Aufhänger und „Connecting Friends“ – also die Beziehungen von Menschen untereinander.

Ist man bei Markt- und Strukturveränderungen in den Niederlanden weiter als in Deutschland?

Ja, ich denke in manchen Feldern schon. Der niederländische Zierpflanzensektor baut sich um. Die Perspektive richtet sich auf pro-aktive Veränderung und Chancenentwicklung und ist damit positiv zukunftsorientiert. Diese grundsätzlich positive, offene Haltung und Veränderungsbereitschaft hat die niederländische Handlungskultur aus meiner Sicht schon immer ausgezeichnet.

Ich denke, dass sich der internationale Blumenmarkt neu strukturiert mit nationalen Auswirkungen. So wie wir gerade alle lernen müssen, dass wir in fünf oder zehn Jahren in einer anders strukturierten Volkswirtschaft leben. Ob wir wollen oder nicht. In jedem Fall für viele Marktteilnehmer eine spannende, herausfordernde Entwicklung.

Was passiert in Deutschland? Verschlafen wir die Digitalisierung?

Mit welcher Unbeweglichkeit der deutsche Markt zum Teil unterwegs ist, ist sehr beeindruckend. In unserer Branche unterhalten sich viele über die Digitalisierung teilweise immer noch so, als wäre das ein Computer, der alles ein wenig optimiert und das Gewächshaus auf- und zu macht.

Nehmen Sie in den Niederlanden die vielen digitalen Initiativen des Sektors oder als ein Beispiel das fantastische Projekt Floriworld.

Was für eine geniale Idee, Blumen und Pflanzen derart publikumswirksam in einem Erlebniszentrum zu inszenieren, so etwas in Aalsmeer zu bauen, nahe am Flughafen Schiphol, wo Tausende von Reisenden das Ergebnis gartenbaulicher Leistung – analog wie digital – wahrnehmen.

Was könnte der deutsche Gartenbau davon lernen, welche Inspiration für die Branchen steckt da drin? Warum wird bei uns in diesen Kategorien nicht gedacht, um die volkswirtschaftliche Bedeutung des Gartenbaus auch bei uns sichtbar zu machen? Wir sind doch nicht nur Maschinenbau oder Autoindustrie!

Herr Teuber, wie sieht die Welt von Morgen und Übermorgen aus?

Das wissen wir alle nicht. Wir erleben gerade in vielen gesellschaftlichen Bereichen große Veränderungsprozesse auf einem sehr dynamischen Weltmarkt. Wir werden uns vielen Fragen stellen müssen: Welche Ware kommt in Zukunft überhaupt nach Deutschland? Und unter welchen Bedingungen? Wohin geht die Weltproduktion? Und wer verteilt sie? Ist ein Exporteur überhaupt noch Exporteur? Ist ein Gärtner noch Gärtner oder eher Energielieferant? Wer ist der Verbraucher von morgen, und wo kauft er wie, was und warum?

Ein mehr vom selben ist nicht zukunftsweisend. Wir können über die Zukunft keine Aussagen treffen, die primär aus der Vergangenheit herangezogen werden. Wir können nur ausprobieren, auf die Nase fallen und weiter probieren. Das heißt eine konstruktive Fehlerkultur entwickeln, die uns neues lehrt!! Wer scheitert und erfolgreich daraus lernt, kann morgen erfolgreich sein. Und das muss man dann auch neu lernen – den Erfolg von morgen!

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