Was können Grüne Berufe Azubis bieten?

12.12.2017

Der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt ist groß – aber für die Grünen Berufe nicht chancenlos. Vorausgesetzt, man schaut auf die Bedürfnisse der jungen Leute. Und ist bereit, über das Lohnniveau nachzudenken. Auszüge einer aktuellen Studie, zusammengestellt von Fachredakteurin Katrin Klawitter.

Agrarberufe stehen in Konkurrenz zu vermeintlich attraktiveren Jobs

Azubi Gruene Berufe
Ausbildung Grüne Branche: Betriebe für Jugendliche sind dann besonders attraktiv, wenn diese das „Potenzial eines langfristigen Arbeitgebers“ haben.

Die Lage ist bekanntermaßen nicht leicht: Den Fachkräftebedarf ihrer Branchen zu sichern, ist nicht nur für die gesamte Agrarwirtschaft eine große Herausforderung. Denn die Agrarberufe stehen in Konkurrenz zu vielen anderen, vermeintlich attraktiveren Berufen. Zu den Folgen des demografischen Wandels, der immer weniger potenzielle Azubis beschert, kommt hinzu, dass immer mehr Schulabsolventen höhere Schulabschlüsse erlangen.

Es wird in Zukunft also immer mehr darum gehen, Schulabsolventen für eine duale Berufsausbildung anstelle eines Studiums zu begeistern. Eine neue Studie des Ausbildungsexperten Wolfgang Kawollek , die er im Auftrag des Vereins zur Förderung der Land- und Forstarbeiter (Kassel) und gefördert von der Landwirtschaftlichen Rentenbank (Frankfurt am Main) durchgeführt hat, unterstreicht dieses Ziel.

Die Studie mit dem Titel „Ausbildungsberufe der Agrarwirtschaft – Fakten – Daten – Zahlen“ liefert eine ganze Reihe an Vorschlägen, wie sich grüne Berufe für die jungen Menschen wieder attraktiver gestalten lassen. Etwas Tröstliches vorab: Laut einer Sonderauswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ist „ein gestiegenes Interesse von Studienberechtigten an der dualen Berufsausbildung zu konstatieren“.

Jobsicherheit: Was erwarten die jungen Leute von einem Ausbildungsplatz?

Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist laut Studie in einer Untersuchung der Frage nachgegangen: Was wünschen sich Jugendliche von ihrem zukünftigen Ausbildungsberuf beziehungsweise Ausbildungsbetrieb? Ein Blick auf das Schaubild oben zeigt, dass Betriebe für Jugendliche dann besonders attraktiv sind, wenn diese das „Potenzial eines langfristigen Arbeitgebers“ haben. So favorisieren sie ein gutes Betriebsklima, sichere Arbeitsplätze und sehr gute Übernahme-Chancen. Neben einem guten Image spielen zudem besonders die Vereinbarkeit von Freizeit und Ausbildung oder die moderne Ausstattung eine Rolle; aber auch bestimmte monetäre Aspekte wie eine finanzielle Unterstützung, etwa durch einen Fahrkostenzuschuss oder die Bezahlung von Überstunden. Alles Dinge, die grüne Unternehmen durchaus leisten können.

Nachrangig ist für die Befragten übrigens erstaunlicherweise, ob der Betrieb zu Beginn der Ausbildung materielle Anreize wie ein iPhone oder einen Dienstwagen anbietet oder ob der Betrieb in sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook, Xing oder Twitter vertreten ist. Ebenfalls vergleichsweise wenig Wert legen die Bewerber darauf, zusammen mit vielen anderen Auszubildenden im Betrieb ausgebildet zu werden – tröstlich für Kleinbetriebe.

Interessant ist auch, dass eine Mehrheit der Befragten der Aussage zustimmten: Wenn mir ein Ausbildungsbetrieb sehr gut gefällt, mache ich auch Kompromisse beim Ausbildungsberuf (kleine Grafik rechts). Diese Aussage ist bezogen auf die Agrarwirtschaft von besonderer Bedeutung, haben doch die Berufe der Grünen Branche nicht immer das beste Image, so Kawollek.

Attraktive Bezahlung sieht anders aus: Das Lohnniveau

Insbesondere werden laut Kawollek für die Berufe der Agrarwirtschaft die Einkommensentwicklung und das Entgeltniveau im Vergleich zu anderen Branchen künftig eine wichtige Rolle spielen. Ein Vergleich der Tariflöhne für die unteren Lohngruppen zeige, dass selbst der gesetzliche Mindestlohn in anderen Branchen mit vergleichbarem Qualifikationsanspruch – wie Gebäudereinigung oder Glas- und Fassadenreinigung – die Vergütungen in den Branchen der Agrarwirtschaft übersteigen. Dies beeinträchtigt nicht nur den Wettbewerb um Arbeitskräfte negativ, die Verortung der Agrarwirtschaft als Niedriglohnsektor sei ein Imageproblem, das es abzuschütteln gelte.

Von der Hand zu weisen ist dieses Problem nicht: Die durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen lagen in den Agrarberufen eher im niedrigen Bereich – die Studie nennt hier für 2016 Berufe wie Maler und Lackierer, Bäcker, Florist sowie Schornsteinfeger auf einer ähnlichen Stufe (siehe auch Grafik unten). Auch zwischen den Berufen der Agrarwirtschaft gebe es hinsichtlich der Höhe der Ausbildungsvergütungen größere Unterschiede.

Zur Orientierung: Insgesamt verteilten sich die berufsspezifischen Ausbildungsvergütungen im Jahr 2016 in Deutschland wie folgt: 20 Prozent der Auszubildenden kamen auf hohe monatliche Beträge von 1.000 Euro und mehr. Für 62 Prozent bewegten sich die Vergütungen zwischen 700 Euro und unter 1.000 Euro. Relativ gering waren die Beträge für 18 Prozent der Auszubildenden mit weniger als 700 Euro.

In der Agrarwirtschaft Beratung von Azubis grundsätzlich gut

Dagegen dürfte die Ausbildungsberatung im Agrarbereich eigentlich recht intensiv möglich sein: Laut Studie war 2016 im Bereich Handwerk rein rechnerisch ein Berater für 2.417 Azubis und im Bereich Industrie und Handel ein Berater für 2.049 Auszubildende zuständig, in der Agrarwirtschaft aber ein Ausbildungsberater für nur 98 Auszubildende. In der Agrarwirtschaft sei das Verhältnis der Ausbildungsberater zu Azubis im Vergleich zu den anderen Ausbildungsbereichen somit grundsätzlich positiv.

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

Newsletter