Weihnachtssterne energiesparend kultivieren

Wie können Unternehmen Poinsettien nachhaltig anbauen? Autor Dominik Bretz, der für die RAM Akademie als Bereichsleiter arbeitet, erläutert die energiesparende Kultur für Weihnachtssterne mit dem Weihenstephaner Modell oder dem Temperatursummenprogramm.

Weihnachtssterne oder Poinsettien (Euphorbia pulcherrima, lateinisch für „schönste der Wolfsmilchgewächse“), welche teilweise auch als Herbststerne vermarktet werden, zählen nach Phalaenopsis zu den wirtschaftlich bedeutendsten Topfpflanzenkulturen. Wie bei vielen anderen Kulturen stellt sich auch bei ihnen für Produzenten die Frage, wie er Weihnachtssterne energiesparend kultivieren kann. Dafür stehen heute zwei Kulturstrategien zur Verfügung, das Weihenstephaner Modell und das Temperatursummenprogramm.

Weihnachtssterne nach dem Weihenstephaner Modell kultivieren

Produktion Weihnachtssterne
Wie bei vielen anderen Kulturen stellt sich auch bei ihnen für Produzenten die Frage, wie er Weihnachtssterne energiesparend kultivieren kann.

Bei der Strategie Weihenstephaner Modell wird vier Stunden vor Sonnenuntergang der Lüftungssollwert auf 27 Grad Celsius angehoben. Dies hat zur Folge, dass die Sonnenenergie im Gewächshaus gespeichert wird und eine Reduktion der Heizlast in den ersten Nachtstunden erreicht werden kann.

Alternativ ist es auch möglich, den Zeitpunkt für die Erhöhung des Lüftungssollwertes dynamisch an die aktuellen Außentemperaturen anzupassen, so dass die Erhöhung umso früher stattfindet, desto niedriger die Außentemperatur ist. Zu Dämmerungsbeginn werden dann die Energieschirme geschlossen, um in der Nacht möglichst wenig Heizenergie zu verbrauchen. Bei Sonnenuntergang wird – soweit vorhanden und benötigt – die Verdunkelung geschlossen, sodass kein Störlicht in den Bestand der Weihnachtssterne gerät.

Herbststerne brauchen Verdunklung

Bereits ab zwei µmol/sm² (rund 0,1 Kilolux) erfolgt eine Verzögerung des generativen Wachstums. Für die Produktion von Herbststernen, welche bereits Anfang September vermarktet werden, ist eine Verdunkelung unumgänglich, da der natürliche Kurztag erst ab dem 10. Oktober einsetzt. Der Heizungssollwert wird zu Sonnenuntergang auf 16 Grad Celsius eingestellt. Am Morgen wird der Heizungssollwert eine Stunde vor Sonnenaufgang auf bis zu acht Grad Celsius heruntergestellt. Somit erreicht man eine Abkühlung des Gewächshauses ohne die Lüftungen zu öffnen (Cool Morning).
Durch die Anwendung der Cool Morning-Strategie lässt sich der Hemmstoffeinsatz weitgehend reduzieren. Im frühen Kulturstadium der Weihnachtssterne, das im Sommer eintritt, lässt sich eine Abkühlung in den Morgenstunden aufgrund hoher Außentemperaturen nur unzureichend umsetzen.

Nicht nur in Betrieben, die Weihnachtssterne produzieren, wurde diese Strategie auch erfolgreich an Beet- und Balkonpflanzen erprobt. Die verschiedenen Funktionen dieser Strategie sind in jedem RAM-Klimacomputer als Standardprogramme vorhanden. Eine detaillierte Beschreibung für die Einstellungen steht als Download bereit unter: www.ram-group.com/presse-news.

Temperatursummenprogramm mit dynamischer Außentemperaturkorrektur

Das RAM Temperatursummenprogramm ist eine Abwandlung des „Wartenbergmodells“. Hier liegt die Annahme zugrunde, dass zum Erreichen eines bestimmten Kulturziels nicht statische Tag- Nacht Sollwerte entscheidend sind, sondern die Absättigung der Weihnachtssterne mit einer bestimmten Temperatursumme über einen bestimmten Zeitraum.

Das von Wartenberg entwickelte Modell arbeitet mit einer dynamischen Außentemperaturkorrektur. Der Heizungssollwert für die Produktionsanlagen der Weihnachtssterne kann in Grenzen angehoben oder abgesenkt werden. Liegt die aktuelle Außentemperatur unter dem langjährigen Mittelwert, wird angenommen, dass es sich um ungünstige Witterungsbedingungen handelt und der Heizungssollwert wird abgesenkt, um die Transmissionswärmeströme über die Gewächshaushülle zu verringern. Liegt die aktuelle Außentemperatur über dem langjährigen Mittelwert, so wird der Heizungssollwert angehoben, da man von günstigen Bedingungen ausgeht.

Wärmeintegration über mehrtägige Witterungsschwankungen erreichen

Über einen Temperaturmittelsollwert wird die Temperatursumme ermittelt und permanent summiert. Ziel ist es eine Wärmeintegration über mehrtägige Witterungsschwankungen zu erreichen.
Ein Problem dieser Strategie ist die Verfügbarkeit von exakten Daten des langjährigen Temperaturmittelwertes für jeden Standort. Um dieses Problem zu umgehen hat RAM ein Temperatursummenprogramm mit statischer Außentemperaturkorrektur entwickelt.

Die maximale Abweichung der Temperatursumme, sowohl negativ als auch positiv wird ebenfalls vorgegeben. Ist beispielsweise eine maximale Temperatursumme von +1.500 Kh zulässig, so wird bei Erreichen dieses Wertes keine Anhebung des Heizungssollwertes trotz günstiger Außentemperaturen mehr erfolgen. Selbiges gilt für das Erreichen der minimalen Abweichung, es findet dann keine Absenkung des Heizungssollwertes trotz ungünstiger Außentemperaturen statt.

Eine Temperatursummenabweichung von ± 1.000 Kh entspricht nach derzeitigen Erfahrungen einer Kulturzeitveränderung für Weihnachtssterne von plus/minus zwei bis drei Tagen bei einer Tagesmitteltemperatur von 18 Grad Celsius. Nach Erfahrungen einiger Produzenten, die mit diesem Programm Weihnachtssterne kultivieren, war es möglich, bis zu 20 Prozent Heizenergie einzusparen. Eine intelligente Schirmsteuerung ermöglicht zudem weitere Energieeinsparmöglichkeiten.

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