Züchterstimmen: GVO-Petunien sollten Wachrütteln

01.08.2017

Die finnische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat Ende April einen Skandal für die Zierpflanzenbranche aufgedeckt. Orangefarbene Petunien mit gentechnisch verändertem Erbmaterial (GVO) befinden sich in ganz Europa im Umlauf. Die Ermittlungen der Behörden, wie weit sie den europäischen Markt durchdrungen haben, laufen noch. Züchter sehen hier einen Warnschuss für die Branche. (Katrin Klawitter)

GVO-Petunien: genverändertes Material wird nicht verborgen bleiben

Orangefarbene Petunie
GVO-Petunien müssen sofort vernichtet und dürfen nicht gehandelt werden. Foto: linkova / Fotolia

Die auf dem Markt aufgetauchten GVO-Petunien sollten die gesamte grüne Branche zur Vorsicht mahnen: „Der Vorfall ist auch ein Wachrütteln für unsere Branche, um zu realisieren, mit was und wie wir arbeiten“, ist Stephan Faißt von Beekenkamp Plants (NL-Maasdijk) überzeugt. „Unternehmen, die mit GVO arbeiten, müssen sich bewusst sein, dass dies nicht verborgen bleiben wird – und schaden dadurch nicht nur ihrem Unternehmen, sondern der ganzen Branche“, warnt er.

Beekenkamp selbst unterhält gar keine eigene Züchtung bei Petunien, verwendet aber wie viele andere Unternehmen Petunien-Sorten, die auf dem Züchtungsmarkt frei zugänglich sind. „Es ist unmöglich, alles auf seine GVO-Vorgeschichte zu testen“, weiß Faißt. „Wir hoffen stark, dass die verursachenden Unternehmen ihre Verantwortung übernehmen und diese Petunien-Sorten vom Markt nehmen.“ Bisher konnte nicht ausreichend geklärt werden, woher die GVO-Petunien stammen.

Diskussionsbedarf über neue Züchtungsmethoden (nicht nur) mit GVO

Ebenso ist Faißt der Ansicht, dass die grüne Branche intern und mit der Öffentlichkeit diskutieren muss, in wie weit neue Züchtungstechniken der Natur und dem Konsumenten, nicht nur im Fall der GVO-Petunien, schaden oder nützen. „Mit neuen Techniken ist es möglich, Resistenzen und Toleranzen für Krankheiten zu erzielen. Das kann durchaus positiv betrachtet werden, da wir ja alle den Einsatz chemischer Mittel reduzieren wollen“, so der Experte.

Nach Kenntnis einer einzigen Petunien-Sorte, die gentechnisch verändertes Material aufwies, hat Beekenkamp sofort alle Kunden informiert und empfohlen, die GVO-Petunien zu vernichten. „Damit ist der Schaden für uns bisher nicht zu groß“, so Stephan Faißt. Nach seiner Einschätzung ist das Thema in der Branche bisher sehr seriös und professionell behandelt worden – und auch Beekenkamp habe entsprechend reagiert: „Obwohl unser neuer Katalog bereits fertig ist, werden wir diese Sorten nicht mehr in unserem Sortiment für die nächste Saison anbieten. Wir werden bei allen unseren Lieferanten für Petunien-Ausgangsmaterial nach einem Test ihres Sortiments durch ein zertifiziertes Labor fragen.“

Als traditioneller Züchter verfolgt auch Sakata (NL-Hoofdorpt) die erklärte Politik, nicht mit GVO-Material zu züchten oder genetic engineering einzusetzen und solche Produkte anzubieten. „Weiterhin ist Sakata nicht an einer Lizenz für die Züchtung mit GVO interessiert“, sagt Gill Corless von Sakata. Das Unternehmen habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die betroffenen Petunien-Sorten vom Markt zu nehmen. Derzeit steht Sakata in direktem Kontakt mit seinen Profi-Kunden, um das Ausmaß der Anzahl der betroffenen Pflanzen zu ermitteln.

GVO-Petunien: Florensis nimmt Lieferanten in die Pflicht

„Es lag bisher außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, dass GVO-Petunien in die verschiedenen Züchtungsprogramme gelangt sein könnten. Dies macht uns auch als ausschließlich konventionell züchtendes Unternehmen ausgesprochen betroffen“, sagt Hagen Kalläne von Florensis Deutschland. „Neben unseren eigenen Sorten vertreiben wir auch etliche Sorten externer Partner. Wir haben deshalb alle unsere Lieferanten aufgefordert, zertifizierte Testergebnisse aller von uns vertriebenen Drittsorten vorzulegen.

Darüber hinaus wird unser komplettes Petunien-Sortiment derzeit von einem zertifizierten externen Labor auf GVO getestet. Alle Ergebnisse laufen derzeit zusammen und werden bewertet. Basierend darauf können wir unsere Kunden in den nächsten Tagen eine Gesamtübersicht über unser Sortiment geben. Dadurch können wir für die Zukunft sicher ausschließen, unwissend GVO-Petunien im Portfolio zu haben.“

Volmary: „Verdächtige Petunien-Sorten sofort vernichten“

„Wir sind gegen den Einsatz von GVO auch bei Zierpflanzen“, betont Raimund Schnecking, Volmary (Münster), sehr strikt: „Wir haben mit der Bezirksregierung eng zusammengearbeitet und auch alle Kunden in Deutschland und ausländische Vertriebspartner informiert. Wir werden alle Petunien, die wir im Sortiment 2018 anbieten, auf GVO untersuchen und natürlich verdächtige Sorten sofort vernichten und aus dem Sortiment entfernen.“ Es seien viele GVO-Petunien entsorgt worden, was einen erheblichen Schaden für die Branche verursacht hat: „Wir versuchen, das für alle Seiten verträglich zu regulieren.“

Liste identifizierter GVO-Petunien (Sortenname/Anbieter)

Zur Autorin: Katrin Klawitter ist freie Journalistin für die Grüne Branche. Sie ist für das Redaktionsteam der TASPO und weitere Medien aktiv.

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