Zwingt Amazon den Pflanzenfachhandel zum Preiskampf?

06.03.2018

Auf den Online-Handel verzichten kann der Pflanzen-Fachhandel nicht. Sich vom „System Amazon“ zum Preiskampf zwingen lassen, ist aber auch falsch. Martina Mensing-Meckelburg berichtete auf der BdB-Wintertagung in Goslar von schlechten Erfahrungen. Von Heike Hoppe

Online-Shop für Pflanzen durch Amazon ausgebremst

Pflanzenfachhandel Amazon
Der Pflanzenfachhandel sollte strategische Allianzen bilden, um der „Allmacht“ von Amazon entgegen zu treten.

„Unser Shop Olerum wurde spürbar ausgebremst, als wir uns geweigert haben, Amazon Prime-Lieferant zu werden“, berichtet die Vorsitzende des Verbandes Deutscher Garten-Center (VDG), Martina Mensing-Meckelburg in einem Grußwort zur Wintertagung des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) in Goslar.

„Man muss sowieso immer schon 17 Prozent seines Umsatzes an Amazon zahlen. Als Prime-Lieferant soll man außerdem noch kostenfrei liefern. Das war für uns nicht mehr rentabel, deswegen haben wir uns dagegen entschieden.“ Plötzlich kühlte sich die Zusammenarbeit zwischen Olerum und Amazon merklich ab. Fällige Überweisungen wurden nicht getätigt, immerhin die Umsätze von zwei Monaten. „Es hatte den Anschein, als ob uns Amazon am ausgestreckten Arm verhungern lassen wollte. Wir mussten einen Rechtsanwalt einschalten.“

Amazon kauft Biomarkt-Kette: „Dies ist erst der Anfang!“

Mittlerweile habe Amazon zwar gezahlt, aber von solchen Partnern möchte der VDG unabhängig sein. Mensing-Meckelburg hatte in ihrem Grußwort vor den BdB-Mitgliedern zuvor über die Umsatzentwicklung der deutschen Gartencenter referiert, jetzt schnitt sie ein zweites wichtiges Thema an: die Digitalisierung beziehungsweise den Online-Handel.

Um auf das Thema einzustimmen, warf sie ein Plakatmotiv auf die Leinwand. Zu sehen: zwei mit Erde beschmierte Hände, die reife, leckere, offenkundig frisch geerntete Tomaten in die Sonne halten. „We‘re Growing Something Good“ („Wir lassen Gutes wachsen“), verkündet die Headline und darunter „this is just the beginning“ („dies ist erst der Anfang“).

Mensing-Meckelburg erläuterte: „Ich habe Ihnen dieses Bild mitgebracht, es ist im vergangenen Herbst fotografiert worden. Amazon hat Whole Foods gekauft, die erste Biomarktkette der USA. An diesem Tag sind die Aktien der Lebensmittel-Mitwettbewerber um rund zehn Prozent gefallen. Ein neuer Super-Big-Player hat sich auf dem Markt etabliert beziehungsweise versucht es auch bei uns in Europa. Besonders interessant finde ich hier die Werbeaussage ,this is just the beginning‘ – dies ist erst der Anfang. Ich bin mir sicher: Da kann genauso gut eine Pflanze stehen. Ich denke, wir sollen alle ein bisschen aufpassen.“

Alles von A bis Z, auch P wie Pflanze

Aufpassen – das bezieht Mensing-Meckelburg auf die Eroberung neuer Geschäftsfelder des US-Riesen – auch in Europa, auch im stationären Einzelhandel. „Amazon macht uns seine Intention ganz klar: Sie möchten alles, von A bis Z. Und dazu gehört auch P wie Pflanze.“

Doch was meint die VDG-Vorsitzende zum „System Amazon“ als zusätzliche Online-Plattform für Gartencenter und Baumschulen? Es sei, so warnte sie, für den Pflanzenhandel nicht optimal, weil das Instrument der automatischen Preisanpassung dafür sorge, dass sich die Preisspirale nach unten immer schneller drehe. „Lieferanten und Einzelhändler geraten in einen Sog, der schwer kontrollierbar ist. Der Fachhandel kann keine Preistreiber gebrauchen.“

Strategische Allianzen bei Webshops: am besten gemeinsam

Aber auch Gartencenter können nicht ganz auf den Online-Handel verzichten, führte Mensing-Meckelburg weiter aus. Immer mehr Gartencenter und Lieferanten würden nach strategischen Allianzen suchen, als Beispiel führte sie die Marken Compo und Oase an, die mit dem Verbands-Webshop Olerum zusammenarbeiten.

„Auch die Firma Scheurich hat sich nach umfangreicher Analyse dazu entschlossen, ihren Shop an unseren anzuschließen“, berichtete die VDG-Vorsitzende. Sie betonte, dass solche Allianzen innerhalb des Grünen Marktes im Kampf um die Aufmerksamkeit des Online-Kunden genau das richtige Mittel seien. Mit dem Olerum-Shop sei der Garten-Fachhandel online gut sichtbar und werde automatisch auch offline bestens unterstützt, „… weil Olerum bei jeder Bestellung jedem Kunden ein nahegelegenes Gartencenter als Bezugsquelle empfiehlt“.

Sie sieht in einer vernünftigen Kombination aus online und offline die Lösung für den Fachhandel, denn ganz ohne Internet geht es eben nicht mehr. „Auch unsere Kunden sind es mittlerweile gewohnt, unabhängig von den Ladenöffnungszeiten einzukaufen. Früher musste man im Telefonbuch stehen, um gefunden zu werden. Heute im Internet.“

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